Fool on the Hill



von

Matt Ruff

Fool on the Hill


Roman

Aus dem Amerikanischen von

Ditte König und Giovanni Bandini

1991. 600 Seiten

Auf dieses Buch bin ich eigentlich nur durch Zufall aufmerksam geworden. Einige Monate zuvor hatte ich den "Herrn der Ringe" gelesen und meine Motivation, ein neues Buch zu kaufen, war am Nullpunkt angelangt - ich glaubte nicht, noch einmal ein so gutes Buch in die Finger zu bekommen. Dann lag da zu Hause dieses auffallend gelbe Buch herum. Meine Mutter sagte, es sei ihr in der Buchhandlung empfohlen worden, als sie nach etwas "in der Richtung von John Irving" gefragt hatte. Eher, um meiner Mutter einen Gefallen zu tun, als aus wirklichem Interesse blätterte ich ein wenig darin herum. Dabei stieß ich auf folgendes Personenverzeichnis am Anfang des Buches:

Stephen Titus George, ein Geschichtenerzähler

Aurora Borealis Smith, die Tochter eines Nonkonformisten

Mr. Sunshine, ein griechisches Original

Kalliope, die schönste Frau der Welt

 

Die Bohemier

Löwenherz, König von Bohemia

Myoko, Königin der Grauen Vrouwen

Ragnarök, bohemischer Verteidigungsminister

Prediger, bohemischer Minister für Moralfragen

Z.Z.Top, bohemischer Minister des schlechten Geschmacks

Fujiko, eine Graue Vrouwe

Woodstock, bohemischer Minister des Ungestüms

Bettelstab, bohemischer Minister der Lust

Aphrodite, bohemische Ministerin der Liebe

 

Andere Menschen

Jinsei, Ragnaröks Liebe und Predigers Geliebte

Walter Smith, Auroras Vater

Brian Garroway, Auroras Freund

Wachtmeister Nattie Hollister, eine Polizistin

Wachtmeister Samuel Doubleday, ein Polizist

Shen Han, Amos Noldorin und Lucius DeRond, die drei Präsidenten der Tolkienia

Von Grautsch, Tchikovsky und Harp, die drei Architekten

Catherine Reinigen, Auroras Freundin

 

Die Kobolde

Hobart, Ältester und Hüter des Glockenspiels

Zephyr, dessen Enkelin

Puck, Zephyrs Liebhaber

Hamlet, Pucks bester Freund und Ratgeber in Liebesangelegenheiten

Saffron Dey, Pucks Gespielin

 

Hunde und Katzen

Luther, eine Promenadenmischung

Blackjack, ein Manxkater

Excalibur III., verwirrter Schäferhund und Direktor des Instituts für kynologische Studien der Cornell University

Edel, ein Bernhardiner

Skippy, ein Beagle

Rover-der-Ätzer, ein Rasta-Puli

Bucklette, eine rechtsorientierte Collie-Hündin

Rex Malcolm, König von Luthers und Blackjacks Heimatviertel

 

Fieslinge

Rasferret der Engerling

Zer, eine Ratte, General von Rasferrets Armee

Der Grüne Drache

Die Gummimaid

Der Bote

Drakon, ein irischer Wolfshund

Jack Baron und die Korpsbrüder der Rho Alpha Tau

Laertes, Saffron Deys rachgieriger Bruder

 

Prägnante Randfiguren

Denman Halfast IV, Ithacas führender Slumspekulant & Mietwucherer

Fantasy Rastamop und die Provo-Patrouille "Blaue Zebras"

Joe Scandle, ein schwarzer Aktivist

und

Ezra Cornell als er selbst

"Das hört sich doch interessant an", dachte ich mir und las das Buch.



In "Fool on the Hill" werden Stilrichtungen bunt gemischt: Die Geschichte spielt zwar in der realen Welt (Maine, USA), trotzdem gibt es Fantasy-Gestalten (kleine Elfen), streiten sich Hunde und Katzen darüber, wie man in den Himmel kommt und wird schwärzeste Magie angewandt – einfach so, ohne weitere Begründung. Das Buch lebt dabei von der Genialität, mit der Matt Ruff Fantasy, Horror und Humor kombiniert – ein Witz schlägt eben kurz nach einer spannenden Stelle besser ein, als inmitten eines "Witzedauerfeuers", genau wie 600 Seiten Spannung pur irgendwann langweilig werden. Lacht man sich an einer Stelle noch halb tot, wird man kurz darauf schon wieder von der Handlung gefesselt und wundert sich beim nächsten Blick auf die Seitenzahl, wie viele Seiten man schon wieder gelesen hat.

Es gibt mehrere einzelne Handlungsstränge, die zuerst voneinander getrennt sind, sich im Laufe der Zeit aber immer weiter annähern, sich hier und dort einmal überschneiden und am Schluß – beim großen Showdown – alle zusammentreffen.

Insgesamt besticht das Buch durch einen herrlich phantasievollen und angenehmen Sprachstil, durch seine mitreißende Handlung und durch eine innere Logik, die das Ganze einfach zu einer "runden Sache" macht.

Außer dem "Herrn der Ringe" hat mir noch kein Buch eine solche Freude beim Lesen bereitet – und mich gleichzeitig als Buch so fasziniert.

Deshalb:

Stil: 9/10

Spannung: 8/10

Ideen & Handlung: 10/10

Humor: (5) 9/10

Lesespaß: 8/10


Aaron


Hier noch die "Stimmen der anderen":

(...) ein nicht gewöhnlicher Lesespaß, Fantasy, wie sie noch nicht im Buche stand, raffinierte Verschränkung von Gegenwart und Traum-Zeit, Disney und Mythologie, düster und licht, exotisch und von Bukowskischer Schnoddrigkeit, heiter und besinnlich, charmant und frech und immer wieder so originär (...): Ein Buch für Leute, die das Staunen nicht verlernt haben.

Welt am Sonntag



Dieser Matt Ruff ist ein Herrscher über lebendige Skurrilitäten aller Art, einer jener großen Erfinder, die es nie zum Patent bringen werden. Denn seine Phantasie ist eine Höllenmaschine, die mit stetig wachsender Geschwindigkeit Monster und Fabelwesen gebiert, ein Ideenbeschleuniger, der die Gedanken tanzen läßt und dabei noch über sich selbst grinst.

(...) Er attackiert, was spießig und aus Plastik ist – und bedient sich wohlgelaunt bei populären Vorbildern. Von Tolkien bis Steven King reichen seine literarischen Anleihen, mit Shakespeare treibt er seine Späße, und das Showdown findet um zwölf Uhr mittags statt (...): Unterhaltung pur, aber vom Feinsten.

Deutsches allgemeines Sonntagsblatt