Wenn Ihr in Zukunft fernseht, dann schaut mal ab und zu bei K1 - die Reportage rein: Vielleicht habt Ihr Glück und seht einen Bericht über uns. Wir haben jedenfalls das Fahrtenbuch unseres letzten Frankreich-Urlaubs schon eingeschickt.
Freitag, 03.08.2001
Alle Teilnehmer - diesmal nur Ändi, Beni und Ködl - finden sich bereits gegen Mittag in Mönchengladbach ein. Wir sind angespannt, denn wir wissen nicht was uns erwartet. Eine solche Tour unternehmen wir zum ersten mal, man kann das nicht mit den vorhergegangenen Urlauben vergleichen. Um uns abzulenken spielen wir bis 02:45 Uhr Diablo. Dann geht es endlich los. Eine Reise voller Gegensätze: Leid und Spaß, Streß und Gelassenheit, Angst, Furcht und Mut liegen in den Weiten der französischen Normandie dicht beieinander.
Ein Wort zu unserem Transportmittel: Der rote Einsatzwagen 4 Marke Opel Kadett Kombi, der auch schon eine CM Fahrt hinter sich hatte. Der eine "vergessen-den-Öldeckel-zuzudrehen"- Geschichte überleben mußte, der uralt und auch mit einigen Besonderheiten ausgestattet ist. So kann man zum Beispiel das Fenster an der Fahrertür nicht runterkurbeln, bei der Lüftung gibt's nur ganz oder gar nicht und der Motor genehmigt sich gerne mal ein Extraschlückchen Öl, oder auch zwei oder drei, wenn man vergißt den Öldeckel zuzuschrauben, doch dazu später mehr. Im Gegenzug kann der Wagen allerdings mit einem bayrischen Schild "Jagdschutz", einem großen Kofferraum, exzellenten Reifen und der Erlaubnis aufwarten, völlig ungezwungen Müll überall hinwerfen zu können. Außerdem haben wir ordentlich nachgerüstet: André haben wir die teure Kühltruhe abgenommen und vorne eine "fette Anlage" am Zigarettenzünder angeschlossen. Allerlei nützliche Dinge stecken zudem links und recht in den Autotüren: Mars, Snickers und Klopapier.
Samstag, 04.08.01
08:30 Uhr. 100 km vor Paris:
Wir müssen zum zweiten Mal innerhalb von fünf km rasten: Ändi bombardiert ein französisches Klo, Beni gibt ihm den Rest. Wir putzen uns die Zähne und füllen Öl nach. Um 10:30 Uhr erreichen wir endlich Paris: Das Autobahnschild sagt "Paris St. Denis". Hier suchen wir einen Parkplatz, der Verkehr macht jeden weiteren Fahrversuch zunichte. Wir beschließen zu Fuß zur nächsten Metrostation zu laufen und uns dort ein Tagesticket zu kaufen. Doch allmählich wird uns etwas deutlich: Wir sind in Hells Kitchen gelandet, mitten in den Pariser Slums. Vor und hinter uns stehen Autos mit eingeschlagenen Fensterscheiben und geklauten Reifen, aus den Hauseingängen dringt fauliger Geruch zu uns herüber und ein Stück weiter werden alte Frauen auf ein Bahngleis geschubst, welches eine Schneise inmitten von Dreck und brennenden Mülltonnen bildet. Hier gibt es genau drei Regeln, die über Leben und Tod entscheiden:
1) Halt niemals an
2) Geh immer weiter
3) Bleib niemals stehen
Auf dem Weg zur Metro kommt uns unzähliges Gesindel entgegen. Wir haben Angst um unser Auto und unsere Sachen. Doch einen anderen Parkplatz finden wir nicht. Mit Hockeyschlägern bewaffnet kämpfen wir uns durch, bis zur rettenden Metrostation. Photos machen wäre zu gefährlich, wir würden binnen Sekunden einen schwer bewaffneten Mob um uns haben. An der Metro angelangt: Tageslicht.
Beim Ticketkauf merken wir zum ersten mal, wie begrenzt unsere Mittel hier sind: Wir lassen uns den Fahrschein von einem Franzosen kaufen, da der Schalterverkäufer weder Englisch noch die Zeichensprache beherrscht.
Wir haben keinen Plan wo wir sind und wo wir hinwollen. Also steigen wir einfach am Place de la Concorde aus - das haben wir mal bei der Tour de France gehört.
Volltreffer! Hier gibt es viele Sehenswürdigkeiten, zum Beispiel den Schrein der Erneuerung, den sicher jeder Diablospieler kennt.
Von dort aus brechen wir auf in Richtung Eifelturm - zu Fuß. Die Sonne brennt und der Weg ist länger als erwartet. Unterwegs müssen Beni und Ködl anhalten: Um ihren Hunger zu stillen kaufen sie ein Baguette.

Ändi verzichtet, er kenne Paris mit seinen Gassen und Giftbaguettes, sagt er. Doch schon bald meldet sich Ändi´s Magen und er bereut, daß er nichts gegessen hat, doch die anderen geben nichts ab. Hier muß jeder zuerst an sich selber denken. Völlig entkräftet doch erhobenen Hauptes
erreichen wir schließlich den Eifelturm.
Den Aufstieg können wir heute nicht mehr schaffen.
Also errichten wir am Fuß des Turms im Park unser Basislager.

Während wir uns von den Strapazen des Tages erholen, beobachten wir eine Spezies, die dem Murmeltier (welches wir in unseren vorangegangenen Urlauben in der Schweiz intensiv studiert hatten) in seiner Verhaltensweise sehr nahekommt, im Gegensatz zu diesem aber auf das Leben in der Stadt spezialisiert ist: Der schwarze Bauchladenführer. Er ist normalerweise sehr zutraulich und wagt sich ohne Scheu an die Touristen heran, um ihnen Kitsch zu verkaufen. Genau wie das Murmeltier ist er jedoch sehr wachsam: Beim Auftauchen eines Blaulichtes (dem natürlichen Feind des Bauchladenführers) oder dem Wort "Police" verschwindet die ganze Bauchladenführerfamilie in alle Richtungen und wagt sich erst einige Minuten später wieder ans Tageslicht.
Später am Tag besuchen wir Eurodisneyland. Eine einzige Strapaze: Überall dämlich singende Plüschfiguren und glückliche Kinder. Außerdem: Noch mehr Laufen, und vor den Attraktionen, die etwas Abwechslung versprechen, gibt es fiese Schlangen, die vom Kopf bis zum Fuß 100 m messen. Wir gehen das Risiko nicht ein.
Abends fahren wir mit dem Auto durch die Innenstadt.

Alles sieht hier toll aus,
doch wir müssen draußen bleiben, zu teuer - wir haben unser Tagesbudget schon für eine Strickleiter ausgegeben, mit deren Hilfe wir bei Eurodisney über den Zaun klettern konnten.
Dann der Schock: Unterm Eifelturm dürfen wir nicht übernachten. In völliger Dunkelheit müssen wir unser Lager wieder abbrechen. Stundenlang irren wir anschließend durch die rauhe Wildnis um Paris bis wir doch noch eine geeignete Stelle finden. Während Beni und Ändi torkelnd vor Müdigkeit das Zelt aufbauen, hält Ködl unser einziges Licht: Beni´s Taschenlampe. Der erste Tag ist geschafft und wir sinken in einen tiefen Schlaf.
Sonntag, 05.08.01
Ändi hat im Auto übernachtet und schon früh weckt er die anderen auf. "Noch ne halbe Stunde, noch einmal umdrehen..." bettelt Ködl im Halbschlaf, doch Ändi bleibt hart: Er weiß, wenn wir nicht vor Morgengrauen hier weg sind, kommt der Bauer. Ködl, ganz Überlebensprofi, sieht dies sofort ein und hilft Beni sogar noch aus dem Schlafsack.
Die aufgehende Sonne im Rücken fahren wir Richtung Caen, als Fieser Nieselregen einsetzt: Es sollte nicht das letzte Mal für diesen Urlaub sein. Irgendwann sehen wir durch den Nebel ein Zeichen westlicher Zivilisation - ein großes M steht in gelben Lettern am Himmel. Während die anderen Gäste zur Theke gehen, um etwas zu bestellen, führt unser Weg uns zielstrebig zur Toilette - bewaffnet mit Zahnbürste und Rasierer ziehen wir neugierige Blicke auf uns. Doch wir haben schon jedes Schamgefühl verloren und blockieren zu dritt das Klo.
Nach einer halben Stunde geht es weiter in Richtung Meer. Dort angekommen beschließen wir, am Strand ein wenig Fußball zu spielen, als Ködl und Beni im erstbesten Geschäft jedoch nicht sofort einen Fußball finden, kaufen sie ein Beachball-Set. Es kommt zu spannenden Auseinandersetzungen,
und im Verlauf des Spiels werden die Regeln immer weiter ausgefeilt.
Während Ködl Ball und Gegner zunächst klar dominiert,
finden Ändi
und Beni über den Kampf zum Spiel und können Ködl später sogar einige schmerzhafte Niederlagen beibringen.

Dann wollen wir schwimmen, aber eine widerliche Algenpest vernichtet das Unterfangen in den Anfängen. Doch auf die lebensfeindliche französische Wildnis sind wir eingerichtet - wir können uns anders beschäftigen. So spielen Ändi und Ködl noch ein wenig Hockey am Strand während Beni auf unsere Sachen aufpaßt - wir haben gehört, daß es hier Haie gibt, und die lauern nicht nur in Gletscherspalten in der Schweiz, sondern auch vor französischen Stränden, um in einem unbemerkten Moment an Land zu springen und ganze Strandkörbe mit Mann und Maus ins Meer zu ziehen.
Dreckig und erschöpft verlassen wir den Strand fast als letzte. Abends müssen wir endlich duschen, und so schmuggeln wir uns auf einem Campingplatz ein. Wären wir Diablohelden gewesen, die Duschräume hätten "Hallen des Ekels" geheißen. Doch wir haben keine Wahl und bringen es schnell hinter uns. Sauber und endlich wieder frisch starten wir die für diesen Abend geplante Kneipentour in einer Pizzeria, die ihrem Namen alle Ehre macht: Als wir um 8.30 Uhr ankommen, sind die Pizzen schon aus. Naja, aber wir sind nun mal nicht in Deutschland, dem Heimatland der Pizza (und des Döners), sondern im Land der Froschschenkel, und da kann sowas wohl mal passieren. An den Rest der Kneipentour kann ich mich nicht erinnern. Abends dann Zeltaufbauen (diesmal torkelten wir nicht vor Müdigkeit) und nur noch pennen. Ändi schläft jetzt auch im Zelt - es ist eng und die Hitze macht uns zu schaffen. Doch obwohl es schon von den Wänden tropft, schlafen wir schnell ein. Es war ein anstrengender Tag, und weitere liegen noch vor uns.
Montag, 06.08.01
Heute werden wir Caen erreichen, die Hauptstadt der Normandie - wir wollen früh aufbrechen. Doch gleich am Morgen gibt es Probleme: Ködl kann einfach nicht aufwachen, obwohl er unbedingt will. So verzögert sich die Abfahrt auf 11.15 Uhr. In Caen angekommen fragen wir uns nach Leclerc durch, einer großen Supermarktkette. Die Rettung! Mit Baguettes und anderen Leckereien vollgestopft fahren wir weiter. Jetzt müssen wir nur noch einen Rastplatz finden, der diesem Festmahl würdig ist. 100 m hinter Leclerc - noch mitten in der Stadt - schreit Beni plötzlich "Hier, hier!!" und deutet auf eine Bushaltestelle (an einer stark befahrenen Straße). Doch Ködl und Ändi bleiben hart, und so halten wir auch nicht unter der nächsten Brücke, nicht auf einem dreckigen Truckerrastplatz und essen nicht im Auto. Nach einer halben Stunde haben wir noch immer nichts gefunden, mittlerweile regnet es auch, und fast geben wir Beni´s Genörgel nach. Doch als die Stimmung am Boden ist übernimmt Ködl (erster Glückspilz seines Zeichens) die Führung: "Links, rechts, geradeaus..." und da ist es auch schon: Eine kleine Parkanlage mit einem Überdachten Unterstand, Tischtennisplatte und Basketballplatz.

Das Wetter klart auf, die Sonne schaut zwischen den Wolken heraus, und wir mampfen gemütlich unsere Baguettes. Anschließend noch ein kleiner Dunkingwettbewerb als Absacker (ok, die Körbe hingen niedriger) und auf der Parkbank Briefe in die Heimat schreiben. Endlich - das hatten wir uns verdient!
Nach kurzer Weiterfahrt erreichen wir einen Teil des alliierten Landungsabschnitts Omaha Beach (zehnte bis 40. Minute von "Der Soldat James Ryan"). Hier kennt sich Ändi wieder aus. Das Wetter ist jetzt angenehm mild, und nach einem kleinen Strandspaziergang
fahren wir weiter zum Pointe Du Hoc. Das ist eine Steilküste,
die, wie Ändi uns berichtet, einst gesäumt mit einer Batterie deutscher Geschütze, am D-Day von zwei Rangerbataillonen (einer amerikanische Spezialeinheit) gestürmt wurde
(und nun sage mal einer, bei uns würde man nichts lernen!).
Unter schwersten Bedingungen (viele bildzerstörungsfreudige Touristen) erschließen wir die Stelle photographisch.
Nach einer Weile bessert sich das Wetter zusehends,
die Sonne leuchtet jetzt hell und klar auf das Plateau. Wir sollten sie zum letzten Mal in diesem Urlaub sehen...
Über Landstraßen geht es am frühen Abend weiter, wir haben keine Vorstellung, was als nächstes ansteht, der Weg ist unser Ziel. Kurz nach Einbruch der Dämmerung sehen wir ein Schild: "Le Mont St. Michelle" - und Ändi erinnert sich: "Das war irgendwie eine Stadt im Wasser oder sowas, oder ne Burg, da kann man nur bei Ebbe hin glaub ich...". Aha, eine Stadt im Wasser oder eine Burg, die man nur bei Ebbe betreten kann, hatte uns noch gefehlt. Sowas gab es auf keiner unserer bisherigen Unternehmungen. Neugierig verlassen wir die sichere Landstraße und folgen einem gewundenen Pfad in Richtung Küste. Es ist stockdunkel geworden, und über flache Ebenen können wir es schon von weitem sehen - das Kloster ist hell erleuchtet und weist uns den Weg wie ein Leuchtturm.

Wir haben Glück, der Touristenwurm ist schon schlafen gegangen, und nun herrscht betriebsame Gemütlichkeit vor. Gemeinsam mit anderen Nachtschwärmern schlendern wir durch die verzweigten Gänge und Gassen und sind froh,
daß wir erst nachts gekommen sind: Angeleuchtet durch etliche Strahler bietet sich ein traumhaftes Bild von alten Gemäuern und Wehrgängen,

immer wieder unterbrochen von kleinen Gärten, und wenn wir denken, es geht nicht mehr weiter, finden wir doch plötzlich wieder eine Treppe oder einen Gang, der uns zu einem noch unbekannten Platz in diesem Labyrinth bringt. Falls unter den Lesern gerade ein reicher Rollenspieler ist, der beabsichtigt, DIE Con schlechthin zu veranstalten - hier ist der optimale Ort. Leider können wir kaum Fotos machen, weil André das Stativ kaputt gemacht hat, das jedenfalls ist Ändi´s erste Vermutung als sich der Kopf nicht mehr feststellen läßt. An einer schön beleuchteten Gasse kann Ködl jedoch nicht vorbei, und so leiht er sich ein Stativ von einem netten und hilfsbereiten Franzosen. Das Ergebnis seht Ihr hier.
So schön und angenehm dieser Tag bisher auch war - man kann Murphie´s Gesetz höchstens eine Zeit lang austricksen, es ganz zu umgehen, ist ein Ding der Unmöglichkeit; und dies gilt um so mehr, wenn man sich in Frankreich befindet. Dementsprechend wird die Suche nach einem Schlafplatz zur Tortur. Nach zwei Stunden haben wir noch immer nichts gefunden. Wir sind müde und können kaum die Augen offen halten, als auch noch der Sprit knapp wird. Verzweifelt suchen wir nun eine Tankstelle, doch jedesmal tauscht kurz vor unserer Ankunft ein gewisser Murphy das Schalterpersonal gegen seltsame Automaten aus (das können Augenzeugen beweisen). Natürlich passen unsere Kreditkarten hier nicht, und so gucken wir aus der Wäsche... ein letzter Versuch noch, einen Rastplatz zu finden, bevor der Tank leer ist. Plötzlich steht da dieser Kerl am Straßenrand und will mitgenommen werden. Wie praktisch, denkt Ködl sich, und hält an, während die anderen noch protestieren. Und siehe da, der Typ hat so eine Karte und der Deal ist perfekt: Wir braten ihm eins mit dem Hockeyschläger über, tanken mit seiner Karte und lassen ihn an der Tankstelle liegen.... oder so ähnlich. Nachdem er uns beim Tanken geholfen hat, haben wir ihn dann nach Hause gebracht - immerhin fast so gut wie die Hockeyschlägerlösung und ohne Gewalt!
Danach sind wir nicht mehr wählerisch, trotz einer mehr schlechten als rechten Übernachtungsstätte schlafen wir schnell ein. Es regnet in Strömen.
Dienstag, 07.08.01
Am nächsten Morgen
ernähren wir uns im Nieselregen von dem, was die Natur uns geben kann.

Die Waldbeeren schmecken gut. Danach ist aber wieder Vater Supermarkt dran. In strömendem Regen kommen wir in Nantes an und kehren erneut bei Leclerc ein.
Die Stimmung ist am Boden - das schlechte Wetter zehrt zunehmend an unseren Nerven. Droht der Zusammenbruch des Bündnisses? Wir finden heraus, daß man Karten hier nicht nur zum Tanken braucht. Auch die Dusche des Vier-Sterne Campingplatzes, den wir mit dem Gärtner durch die Hintertür betreten, ist durch eine solche Vorrichtung gesichert. Also auch heute keine Dusche. Mittlerweile haben wolkenbruchartige Regenfälle eingesetzt, wir können uns kaum noch aus dem Auto trauen. Wir fahren weiter in Richtung Bordeaux, vielleicht ist ja im Süden besseres Wetter. Doch je länger wir fahren, desto düsterer wird nur der Himmel. Bei einem solchen Wetter im Zelt zu schlafen, ist unmöglich, man würde schon beim Aufbauen durchnäßt. Wir beschließen, eine Zeitung zu kaufen, um den Wetterbericht zu lesen - den im Radio können wir nicht verstehen, weil er vom französischen Geheimdienst mit schwulen Nasallauten verschlüsselt wurde. Mierde!! Es ist Dauerregen für die nächsten vier Tage angesagt. Dagegen können wir nichts machen, wir haben unseren Meister gefunden (also nicht Stefan, sondern den Wetterbericht). Irgendwo in einem Kuhdorf hinter Nantes, in prasselndem Regen unter wolkenverhangenem Himmel, findet die Tour somit ihr jähes und unspektakuläres Ende.
Epilog
Da die Rückfahrt meist eine Katastrophe ist, hatten wir das Fahrtenbuch schon weggelegt, doch Ändi ist gerade nicht da, und so nutze ich die Gelegenheit für einen kleinen Nachtrag.
Wir sind schon mehrere Stunden durch Frankreich gefahren (bzw. geschwommen), als wir wieder dieses vertraute Geräusch im Motorraum hören, erst ganz leise, doch zunehmend deutlicher werdend. Diesmal sind wir vorgewarnt und halten sofort an. Schon überkommt uns eine schlechte Vorahnung und in Beni´s und Ködl´s Kopf formen sich ähnliche Gedanken: "So blöd kann man UNMÖGLICH zweimal sein!!!" (Hey! Das hab ich gelesen und beim ersten Mal war es nicht meine Schuld!!)
Da ist Ändi schon ausgestiegen und öffnet die Motorhaube. Wir sehen Dampf und hören lautes Fluchen. Tatsächlich, der Deckel des Öltanks ist wieder nicht zugedreht. Zuletzt war der Wagen nach diesem Vorfall nicht mehr fahrfähig, der ganze Motor mußte ausgetauscht werden. Müssen wir unsere restlichen Ferien in Frankreich verbringen? Ganz nach Murphie´s Gesetz ereignet sich das alles natürlich genau zehn Minuten nachdem die Werkstatt der Tankstelle geschlossen hatte, und so warten wir bis zum nächsten Morgen. Ändi behauptet, er habe den Tankdeckel GANZ SICHER zugedreht, und vielleicht hat er ja recht? Vielleicht hat sich der Tollpatschteufel tatsächlich seit dem letzten Urlaub im Öltank versteckt gehalten, nur um mitten auf der Fahrt den Tankdeckel aufzuschrauben und uns so richtig einen drüberzugeben? Wir wissen es nicht. Am nächsten Morgen stellt sich jedoch heraus, daß es mit einer neuen Ladung Öl und einem improvisierten Deckel weitergehen kann, der Motor hat diesmal keinen Schaden genommen. Wir sind jetzt kurz vor der deutschen Grenze und es ist nicht zu erwarten, daß noch etwas spannendes passiert. Außerdem könnte Ändi gleich wiederkommen. Darum werde ich das Fahrtenbuch jetzt wieder im Kofferraum verstauen, irgendwo zwischen Beni´s Unterwäsche, André´s Kühltruhe und Ködl´s altem Baguette - schade, daß es nicht länger gedauert hat, aber so ist das Leben: C'est la vie!