Alljährlich findet in Dortmund die RatCon von Fanpro statt. Von Freitag Nachmittag bis Sonntag Abend treffen sich dort Rollenspielbegeisterte und andere Fans von Fanproprodukten, aber auch viele Autoren, um Vorträge oder Diskussionen zu halten. Am meisten wird jedoch an unzähligen Tischen in Räumen, auf Fluren oder auf der...nein, nicht auf der Toilette, aber im Freien, Rollenspiel gespielt, meist DSA oder Shadowrun. Einige wenige spielen dort auch Miniaturspiele wie Armalion oder MechTech, ja, es kommt dort sogar zu Austragungen von Deutschen Meisterschaften!
In diesem Jahr hatten wir uns dann auch entschlossen, uns die Veranstaltung mal genauer anzuschauen und so fuhren Andre, Arndt, Ködl und Ändi Samstag Nachmittag in Richtung Dortmund los (mal wieder mit dem Wagen von Andre´s Eltern, hier endlich mal ein kräftiges "Danke!!!"), bewaffnet mit drei Kameras und jede Menge Filmmunition.
Nach nicht allzu langer Suche (wir hatten ja einen Flyer mit Wegbeschreibung) kamen wir auch zum Austragungsort. Schnell fanden wir einen Parkplatz und von dort konnten wir auch schon die ersten Anzeichen einer Rollenspieler - Belagerung erkennen. Keine 20 Meter entfernt hatte Arndt in einer kleinen Parkanlage die Spitzen einiger Zelte entdeckt. Na das mußte es doch sein, wer übernachtet denn sonst in öffentlichen Parkanlagen mit einem Zelt?

Vollbepackt mit Photomaterial und Proviant (Ködl hatte außerdem seinen Hut an) machten wir uns auf in Richtung der Zelte und tatsächlich, in einem abgezäunten Territorium standen jede Menge davon herum, zum Teil mit Fahnen behangen oder mit wilden Symbolen bemalt. Wir konnten auch einige Liverollenspieler bei ihrem Waffengang beobachten. Aber hier war noch nicht der Eingang. Wir gingen also ums Haus herum und konnten durch einige Fenster Würfelklimpern und Meisterbeschreibungen hören. Schnellen Schrittes und breit grinsend kamen wir dann zum Eingang. Auf dem Vorplatz sahen wir schon überall Leute sitzen und stehen, die sich ihr neu erworbenes Material durchlasen, der Eingang war wohl dieses mittelgroße bunte Zelt. Schon hier saßen die Leute an langen Tischreihen auf Holzbänken und ließen die Würfel rollen. Auf Phexgefällige, aber nicht allzu dreiste, Art kamen wir dann kostengünstig in die inneren Verließe und Gänge. Dort kam uns ein riesiger Wortschwall entgegen, direkt hinter der Eingangstür tummelten sich nämlich schon viele rollenspielermäßig aussehende Gestalten auf einem kleinen Basar. Das erste was uns bei diesem Anblick einfiel war "kein Wunder das einige Leute denken Rollenspiel ist gleich Satanismus. So wie die meisten hier herum rennen..." Aber zurück zum Basar: Es gab da z.B. einen Fanpro Stand (der natürlich von Abenteuern bis Spielboxen alles anbot), einen großen kostengünstigen Buchstand (bei dem Ködl zwei Bücher für nur 9 DM erstehen würde), ein Waffenstand der auch sonstige Schmuckstücke führte, ein Lager mit hundert verschiedenen Würfeln,

einen preismäßig sehr gerechten Verpflegungsstand und auch ein Drehrad eines Phexgeweihten, bei dem man alle möglichen und unmöglichen Sachen gewinnen konnte. Ach ja, einen Vortragssaal und ein Kino mit Abenteuerfilmen ist hier auch noch zu erwähnen. Wir beschlossen erst einmal, das ganze Haus näher unter die Lupe zu nehmen. In den tiefen finsteren Katakomben hatten sich jede Menge finster aussehende Gestalten an Tischen niedergelassen, um in fernen Landen wilde Abenteuer zu bestehen.
Natürlich nicht ohne entsprechend viel Verpflegung!
Und in einem großen Gymnastiksaal wurde eine Schlafstatt errichtet. Dort reihte sich Schlafsack an Schlafsack und nur einige wenige Gestalten hielten sich hier auf, um bei sehr angenehmen Temperaturen Abenteuer zu lesen, oder ihre neu erworbenen Würfel ihres Könnens zu testen.
Wir gingen weiter durch die blau beleuchteten Gänge und Kammern und gelangten schließlich durch einen hell erleuchteten Raum im Erdgeschoß in den Garten (Vorher waren wir natürlich wieder eine Treppe hochgegangen, denn Zauberportale gab es auch hier nicht!). Dort waren auch die Zelte aufgebaut und auf/in einem sandgefüllten Kampfplatz/Sandkasten
fochten einige Gestalten
mit gefährlich aussehenden Schwertern und Äxten.
Diese bestanden aus einer mit festem Schaumstoff umwickelten Plastikstange, so, daß eigentlich keine ernsteren Verletzungen hätten passieren können...
ja gut, es kann auch sein, daß diese Gestalt auf der Bank einfach nur schlief, sicher ist sich heute aber niemand mehr! Ein Geselle mit Gitarre

verlieh der Szenerie dann eine abenteuerliche Stimmung. Wir ließen uns dann auf einer Bank nieder und schauten dem Treiben auf dem Kampfplatz zu. Hier kamen auch schon die ersten Vermutungen, daß uns die Leute hier für Auserwählte hielten (dazu später, denn mehr als wage Anspielungen hatten wir nicht bekommen, noch nicht...). Als uns das Treiben dann zu langweilig wurde, weil die meisten Kämpfe nur halbherzig geführt wurden und kein richtiger Kampfwille mit hochsprudelnden Emotionen und aktionreichen Szenen zu Stande kam, wandten wir uns wieder der Erkundung des Hauses zu. An einer großen Stellwand waren unzählige Blätter mit Verabredungen zu Spieltreffen in Räumen befestigt und an einer Glaswand, waren Bilder und Boxenlayouts für die neuen Güldenlandmaterialien angebracht (später sollte hier noch etwas passieren!). Wir fanden sogar einen Stand, dessen Besitzer einer Gestalt bei Simpsons täuschend ähnlich sah...

Nach einer Erkundung der übrigen Räume stellte sich heraus, daß auch in den oberen Etagen die Rollenspieler herrschten. Die gemütlichste Runde die wir fanden, saß inmitten des Treppenhauses und hatte zumindest weiche Polstersessel.

Hier wurde auch unser Verdacht bestätigt, daß wir für Presseleute gehalten wurden. Diese gemütlich dasitzende Gruppe sprach das aus, was wir schon vermutet hatten. "Verdammt, die Presse ist ja auch hier, aber bitte keine Photos!" Überall guckte man uns mit großen Augen an, gab uns schnell Antworten zu unseren Fragen und ging sogar zur Seite, damit wir eine bessere Position für unser Photo hatten. (ich werd Journalist...)Ködl wurde sogar einmal danach gefragt, wobei sich herausstellte, daß wir von der Rundschau Herne waren. Außerdem fanden wir bei jedem Gespräch heraus, daß Rollenspieler ein guter Menschenschlag sind. Von wegen Anhänger des Satan, Rollenspieler sind das genaue Gegenteil! Immer nett, freundlich und zuvorkommend. Nur ausgesehen haben sie wie typische Rollenspieler in allen Variationen, aber das ist halt die Dienstkleidung!
Mit festem Minenbild setzten wir von nun an auch unseren neu erworbenen Beruf weiter fort und bestätigten die Leute in ihrem Verdacht. Warum denn nicht...?
In einem großen, von Armaliontischen geprägten Raum,

sahen wir dann auch die ersten Opfer
der ersten durchgemachten Nacht.

Es waren aber auch mit die Einzigen. Ansonsten machten fast alle einen frischen Eindruck, erfahrene Rollenspieler halt! Da wir auch gelegentlich Warhammer spielen, konnten wir die hier aufgebauten Landschaften auch relativ gut bewerten, wobei wir uns einig waren, daß in den meisten sehr viel Mühe steckte und sie dadurch auch sehr gut waren. Als man uns hier schon wieder für Presse hielt, waren wir natürlich schon vorgewarnt und konnten unser Spiel gut umsetzen. Wir verließen die Armalioneraner und erforschten den großen Trubel in einem nahen großen Zelt. In diesem Zelt fand der Anfang eines Multiplayer Abenteuers statt. Es waren ziemlich viele Leute in diesem Zelt und lauschten den Worten der beiden Hochmeister. Die Leute vertraten ihre Helden und wurden immer in kleinen Gruppen von einem der Hochmeister hinausgepickt und mit einem normalen Meister zur Vorbereitung in ein dahinter liegendes Zelt geführt und wenn alles besprochen war, ging es ab in einen der zahlreichen Räume des vier Stock hohen Gebäudes. Wir liefen noch ein wenig herum, schauten in dieses und jenes Zelt und kamen wieder auf den Basar. Im Kino lief gerade ein Vortrag zum Thema "Stimmung beim Rollenspiel" (leider ohne Mikrofon) und wir hatten das Pech, daß der Vortrag gerade zu Ende war, als wir uns setzen wollten. Na toll! Andre erkundigte sich dann, was denn danach kommen würde und wir erhielten, wie immer freundlich, die Information, daß hier gleich die Mumie los sein würde. Ja, warum sich denn nicht ein wenig ausruhen und dabei diesen Film genießen? Während Andre und Arndt noch Getränke und Chips holten und schon mal im Kino Plätze reservierten, gingen Ködl und Ändi noch mal auf Beutezug. Es war sicherlich göttliche Absicht, daß wir dann vor der "Güldenland - Glasscheibe" Thomas Römer, ein sehr, sehr hohes Tier bei Fanpro trafen. Grinsend sah Ködl zu Ändi und der grinste auch schon, war doch klar, was wir machen würden, oder? In einiger Entfernung wurde dann kurz das weitere Vorgehen besprochen, wir MUSSTEN Thomas Römer mit freigelegtem Ohr erwischen, von seitlich vorne. Das hört sich jetzt vielleicht einfach an, wie ihr aber denken könnt, war es das überhaupt nicht. Erst einmal ließ des Herrn Römers Frisur ein einfaches Photographieren nicht zu (seht einfach gleich weiter unten warum!) und zweites Mal wurde er von einer Horde von wissensdurstigen Rollenspieler belagert, die ihn zum Thema Güldenland ausquetschten und ihn sehr verehrten.

Wir hatten vor, Thomas Römer einfach zu Fragen, doch das Gespräch mit den Fans fand kein Ende. 20 Minuten warteten wir auf den richtigen Augenblick und da war es Ködl einfach Leid. In einer glücklichen Sekunde wischte Thomas Römer sich das Haar hinter das Ohr. Ködl nutze die Gelegenheit, stand ja auch nur einen halben Meter weit entfernt mitten in der Meute, zückte die Kamera, hochkant, scharf stellen und dreimal hintereinander mit Blitz voll drauf gehalten. Das sah schon ziemlich dreist aus, aber Thomas Römer ließ sich ja auch nicht von seinem Vortrag abbringen und anders wären wir wahrscheinlich nicht zu diesem Photo gekommen. Seine Vasallen würden ihn wahrscheinlich sogar bis auf´s Klo hin folgen...
Erfolgreich kehrten Ködl und Ändi zum Kino zurück und guckten sich "Die Mumie" an. Als der Film dann zu Ende war, beschlossen wir, die Heimfahrt anzutreten, es war ja auch schon 24 Uhr. Doch im Eingangszelt verwickelten wir uns noch in ein Gespräch mit einigen Mannen des "Kampfregel Projekt". Wir unterhielten uns über deren Projekt und über DSA Seiten im Internet und tauschten dann noch einige Neuigkeiten aus. Sie erzählten uns, daß sie morgen einen Vortrag hätten und wir doch dort hin kommen sollten, aber wir mußten leider ablehnen, da wir ja jetzt fahren wollten. Und so verließen wir die RatCon 2000, mindestens mit einem so großen Grinsen auf dem Gesicht, wie wir sie betreten hatten. Also, bis dann bei der Messe in Essen!