Es war der 26. Dezember 2003, erneut saßen wir auf grünen Rodelschlitten nebeneinander, hoch auf einem schneebedeckten weißen Hügel inmitten unseres geliebten Waldes im schönen Montana. Wir lachten, schmissen mit Schneebällen und schauten hinab auf die Rodelstrecke, die wir zwischen Bäumen und Sträuchern hindurch, über große Äste und Gestein hinweg, immer noch ausfindig machen konnten; auch wenn die Spuren unseres letzten Aufenthaltes längst Vergangenheit waren.
Goldene Sonnenstrahlen brachen durch´s Geäst und verzauberten den Wald. "Jiiiiihaaaa, ertönte es da laut!" Diesmal war es Stefan der als erster lospreschte und den Hang hinunter schoss - Crans Montana VIII, wir kommen!
Wie in jedem Jahr waren wir am 25. Dezember inmitten der Nacht wieder ins Schweizer Alpenland aufgebrochen. Zwei der Gefährten mussten jedoch zu Hause bleiben. Arndt konnte aus beruflichen und Hense aus schratigen Gründen nicht mit an der großen Reise teilnehmen.
Zuständig für den Einkauf waren diesmal Stefan und Ändi und wie es sich für einen solchen Urlaub gehört, wurde viel Eistee, Toastbrot, Wurst und Spaghetti eingekauft und für die Nudelsoße ließen wir uns von einem englischen Meisterkoch beraten. Es konnte also auf dem Sektor Lebensmittel nichts mehr schief gehen ...
Und so klingelte ich zu später Stund´ bei Ködl und Laura und wer oder was machte mir da die Türe auf? Ein Affe der sich als Ködl verkleidet hatte ...
Die Stimmung war gut, alle Sachen gepackt und nicht zuletzt durch Susi´s Hilfe (Beni´s Freundin gab wichtige Hinweise welche Sachen noch draußen vor den Kofferräumen standen) schafften wir es doch noch alle Gegenstände in die beiden Wagen zu kriegen und endlich, endlich loszufahren ...
Und nach einem kurzen traditionellen Stop am Genfer See,
kamen wir auch nur wenig später wieder in unserer eigentlichen Heimat an. Crans Montana hatte uns wieder.
Jubelschreie und Holzgesplitter durchbrachen die Ruhe und hallten durch den Wald. Der Schnee lag wadentief, es schneite weiter und über Stock und Stein fuhren wir unsere altbekannten Pisten und nichts und niemand konnte uns aufhalten.
Fast niemand ...
Zu den Jubelschreien mischten sich ab und an auch Schmerzensrufe: Mischlingshündin Lilli fehlte in diesem Urlaub ebensowenig wie das DSA Zeug und sie schien es sich zur Aufgabe gemacht haben, demjenigen von uns, der in Führung lag, daran hindern zu wollen einen leichten Sieg zu erringen.
Lilli versuchte uns am Knöchel zu packen und vom Schlitten zu ziehen und so wurde es zum taktischen Spiel, wer wann die Führung übernahm.
Es machte riesen Spaß wieder durch den Wald zu brettern, Bäume und steile Abhänge links liegen zu lassen, über Bodenwellen und halb vergrabene Äste zu fliegen und Rennen gegen Beni el Torro Yellow,
Los Ködlos oder den Meister Stefan zu fahren.
André, der nicht ganz so schnell auf dem Schlitten unterwegs war, bekam dann Photoapparat und Videokamera in die Hand gedrückt und liefert das notwendige Material für die von Beni geplante DSO - Action - DVD. Natürlich fuhr André auch selber, hat er doch mit Arndt damals diese Strecke erschlossen. Für die DVD gab es schon am ersten Tag viel Material!
Zerschunden und erschöpft machten wir uns dann auf den Heimweg,
nicht ohne zwischendurch noch eine kleine Pause einzulegen.
Im gemütlichen Heim angekommen sanken wir nach einem kurzen Toastbrot-Schmaus
in die gemütlichen Sofas und schlummerten ein. Aber nur wenig später stürzten wir uns in neue Abenteuer. Wir metzelten zu viert finstere Kreaturen beim X-Box Spiel Dungeons & Dragons nieder. Die Tradition wollte es, dass wir ganz nach dem Vorbild von Crans Montana I eine Spielkonsole eingepackt hatten und außerdem war in diesem Sommer unsere große Computerzeit ausgefallen.
Wie jedes mal artete das Spiel in eine Goldsuche aus und es kam nicht selten vor, dass Beni oder Ändi erst einmal Monster links liegen lassen und sich viel lieber den Truhen und Fässern mit ihrem wertvollen Inhalten widmeten. Hier spielten halt zwei Zwerge! Beide taten sich dabei gegenseitig nicht viel und hatten ihr Verhalten so trainiert, dass André, Stefan oder Ködl eher selten etwas abbekamen.
André, Laura, Lilli und Stefan gingen an diesem Abend früh ins Bett und trotz Kampflärm und Waffengeklirre, Jubelrufen und Verfluchungen, sowie dem Klimpern von güldenem Golde, fanden sie schnellen Schlaf.
Früh war der Morgen, als Stefan, Laura und André mit Lilli über den Golfplatz in Richtung Bäcker aufbrachen, um für ein prächtiges Frühstück zu sorgen.
Dafür wurde allen vier jedoch eine phantastisch frische und klare Luft und ein noch viel besserer Ausblick geboten.
Es gab Brötchen für Laura, Stefan und André, während sich der Rest mit dem Toastbrot vergnügte.
Übrigens, der Rest hatte sich während des Brötchenholens wieder zurück in die Welt der Goldtruhen und Monster versetzt und konnte nur schwer davon wieder zurückgeholt werden. Selbst Langschläfer Ködl konnte sich auf Dauer den Geräuschen von klingelndem Gold und sterbenden Monstren nicht entziehen.
Nach einem ausgiebigen Frühstück, welches Ködl ausnahmsweise nicht wie sonst 30 Minuten zeitversetzt begann, weil er den ewigen Kampf gegen Bert Bettdecke heute doch gewinnen konnte, rasten wir alle durch die Straßen Barcelona´s und Sydney´s. Wir hatten auf der X-Box die Liebe zum Autorennen entdeckt.
Beni war natürlich unschlagbarer Erster in allen Rennen und verweiste uns selbst mit den ältesten Oldtimern auf die Ränge. Und André, ja André entpuppte sich als rücksichtsloser Rempler der mit allen nur denkbaren unfairen Tricks versuchte sich selbst auf den ersten Platz zu drücken und dabei auch über Leichen ging, bzw. fuhr.
Wenig später dann brachen André, Beni und Ändi auf in Richtung Wald.
Mit unseren Schlitten rodelten wir bis zum See und suchten dann nach einem geeigneten Gelände für das für die nächste Nacht geplante Spiel.
Wie im ersten Montana Urlaub wollten wir während der Dunkelheit nur im Mondlicht in einem begrenzten Raum zwei gegen zwei uns gegenseitig auflauern, überfallen und mit Schneebällen "abschießen". Die Regeln wurden noch zu Hause ausgetüftelt. Es gab zwei Angreifer und zwei Verteidiger und wer von einem Schneeball abgeworfen wurde, musste eine Minute lang bis 60 zählen ...
Dem aufmerksamen Leser wird aufgefallen sein, dass bei fünfen dann einer übrig bleibt: André entschied sich als freier Kriegsberichterstatter ganz unparteiisch zwischen den Fronten umherzulaufen und immer dann ein Photo zu schießen, wenn er einen Spieler entdeckte. Damit wurde diese Mannschaft einmal bestraft und der Gegner kannte die ungefähre Position, was einem unendlichen-aneinander-vorbei-Geschleiche entgegenwirkte und gleichzeitig bekamen wir noch gute Bilder als Erinnerung.
André, Beni und Ändi fanden unweit vom See entfernt ein gutes Gebiet, dass von einem kleinen Bach durchzogen wurde. Sofort wählten sie dies als Kampfgebiet für die morgige Nacht aus.
Ein großer Vorteil vom Bach war der, dass er durch die lauten Geräusche das Schleichen einfacher machte. Außerdem lag der Bach an einigen Stellen so tief, dass er wie ein Schützengraben dem dort Schleichenden Schutz vor Bewurf und Sicht und dem Spiel eine weitere Note gab.
Bevor wir drei dann jedoch wieder zurück in Richtung Heimat aufbrachen, wanderten wir noch ein Stück weiter zu einer Stelle, an der man bis weit ins Tal hinein gucken konnte.
Wir konnten sogar die Autobahn sehen, die uns schon so häufig nach Crans Montana geführt hatte.
Natürlich befand sich hier auch eine exzellente Rodelstelle, die Beni und Ändi gleich mehrfach im Doppelbob hinunter sausten.
Doch in unserer Rodelrinne lagen mehrere scharfe Stellen mit großen Steinen und harten Hubbeln unter dem Schnee, so dass wir nach jeder Abfahrt froh waren unten angekommen zu sein und wir André jedes mal hätten verprügeln können, wenn sein Photoapparat mal wieder versagt hatte.
Also hieß es noch einmal hoch und wieder ging es ab über Hubbel eins, Stein zwei und Hubbel drei und am Ende war das Ergebnis das, dass einer unserer grünen Schlitten einen langen Riss in der Rutschplatte hatte. Nur um uns den Arsch zu retten.
Ködl musste wie auch schon im letzten Jahr für das Staatsexamen büffeln und Stefan und Laura gingen mit Lilli spazieren. Auf dem Rückweg begegneten wir ihnen dann und gemeinsam gingen wir zurück. Und endlich, nach einer kleineren Pause, von der ich nur wenige Zeilen später berichten möchte, konnten wir so richtig in das DSA Abenteuer einsteigen - mit einem Kaminfeuer, das wir schon länger nicht mehr so schön und groß hatten.

Stefan und Ändi waren vor DSA zusammen losgezogen, um nach Feuerholz zu suchen und machten dabei einen Umweg über den Golfplatz zu der dortigen Rodelbahn. Bei der Rodelbahn handelt es sich um eine uns bekannte Piste, die von Schneeraupen präpariert mit einem Leih-Luftreifen in ungeheurer Geschwindigkeit heruntergefahren werden kann. Als Special hatte diese Strecke eine Art Bobwand an der Kurvenaußenseite, so dass man die Bahn nicht verlassen konnte. Natürlich gab es hier um 00:45 Uhr in der Nacht keine Menschenseele mehr; nur in nahen Häusern konnten wir in hell erleuchteten Räumen Personen ausmachen.
Wir schlichen uns dann nach erlernter Art näher an die Häuser heran, beobachteten die Personen und hielten gleichzeitig Ausschau nach geeigneten Opfern. Ja, Opfer eines unserer derben Scherze sollten sie werden. Wir wollten uns anschleichen und dann das Fenster aus einem Versteck heraus mit Schneebällen eindecken, oder direkt vor die große Verandatür springen und einen heiden Terz veranstalten, so dass sie aus ihren pelzüberzogenen Sofas fallen sollten, starr vor Schreck!
Es war aber teilweise gar nicht so einfach sich unauffällig zu nähern und mindestens einmal hatte es Ändi seinem weißen Eishockeytrikot und dem Hut zu verdanken, dass er nicht entdeckt wurde.
Stefan fand dann eine sehr günstige Stelle und zeigte diese Ändi. Tatsächlich, von einem großen Berg von frischem Schnee, in dessen Mitte einige dunkle Tannen standen aus, konnten sie in einem nicht weit entfernten Haus einen Mann im ersten Stock beobachten. Dieser bereitete sich ganz offensichtlich etwas in der Küche zu. Es war 01:22, noch wusste der Mann nichts von seinem Pech. Von seinem Pech, genau jetzt hier zu sein ...
Ändi und Stefan bereiteten dann einige Schneebälle vor und es war Ändi, der diesmal als erster die Initiative ergriff (bei DSA hätte er die höchste Initiative ausgewürfelt!). Er spielte mit dem kalten Schneeball in der Rechten, drückte noch einmal mit der Linken nach, ließ den Unheilsboten in der Hand rotieren, eine immer perfektere Form annehmen, holte aus zum Wurf, zögerte für den absolut richtigen Moment und als der Ball die Hand verlassen und im freien Flug war, stand der Volltreffer schon fest ...
Schnee barst, ein dunkler, lauter Aufprallton hallte durch die Nacht, ein erschrockenes Gesicht in Richtung Scheibe glotzend, ein weißer, auffälliger Fleck am Fenster und nichts und niemand war draußen zu sehen. Es hatte nur Bruchteile von Sekunden gedauert, bis der Schütze hinter den dichten Tannenzweigen verschwunden war, die Situation durch eine kleine Lücke beobachtend. Unser Opfer hatte noch nicht ganz die Butter zu Ende gestrichen, da leitete Stefan erneuten Beschuss ein.
In immer neuen Salven deckten wir Hauswand und Fenster ein, bis Licht im Hausflur erschien und einen Rückzug notwendig machte. Der Häuserkampf hatte begonnen.
Und so schlichen wir weiter, von Haus zu Haus, standen einen Meter unter einem Fenster, hinter dem ein alter Mann zwei Enkeln eine spannende Geschichte erzählte, die wir zu einem Albtraum hätten ausweiten können, überlegten durch ein geöffnetes Fenster dem Insassen so richtig eine mit Schnee zu verpassen und hegten noch dies und jenes aus.
Aber irgendwann rief auch das heimische Kaminfeuer und mit zwei gefundenen Original Montana Luft-Rodelreifen und zwei vollen Säcken Feuerholz gelang uns ein schneller und unauffälliger Rückzug mit einem anschließenden warmen, gemütlichen und langen DSA Abend.
Nach der traditionellen Backwarenwanderung am Morgen von André und Lilli, an der sich diesmal Ändi beteiligte, dauert es auch nicht mehr lang und wir waren unterwegs in die Stadt
- zum dortigen Eishockeystadion.
Beni, Ködl und Ändi wollten dort nämlich Eishockey spielen. Doch als wir schon mit ausgeliehenen Schlittschuhen den Puck ein paar Mal über das Eis hatten tanzen lassen, entdeckte uns der zuständige Schweizer (einarmige) Bandit und sprach ein Verbot aus! Es kam sogar noch besser und wir mussten zum rumcruisen auf dem Eis einen Obolus entrichten.
Doch wir zeigten uns einsichtig, denn für ein Eishockeyspiel auf unsere Art fuhren einfach zu viele Leute auf dem Eis umher und wir sind seit Jahren nicht mehr richtig gefahren! Es wäre einfach zu gefährlich für all die unschuldigen Leute geworden.
Erstaunlicherweise klappte das Fahren jedoch sehr gut und wir spielten mit einem Streethockeyball Fußball. Anfangs nur zu dritt, später auf einer kleineren Eis-Nebenfläche ein richtiges Spiel mit vier kleinen Stöpseln.
Während wir spielten fing es dann heftigst an zu schneien und André, Laura und Stefan suchten lieber den Schutz der vielen schönen Geschäfte. Laura und Stefan entdeckten dabei auch ein Crans - Montana Biber Poster aus längst vergangenen Zeiten. Jeder von uns hätte sich dieses sofort geholt, doch für ein zerfleddertes Poster noch so viel Geld zu verlangen war für uns einfach zu unverschämt und so ließen wir dies bleiben.
Als die Sonne das Firmament bereits verlassen hatte, tüftelten wir nach einem ausgiebigen Abendmahl die Regeln für das schon vor Tagen beschlossene Kampfspiel im Walde aus. An diesem Abend sollte es endlich losgehen...
Wie schon damals in Crans Montana I bildeten Ködl und Ändi ein Team und Beni und Stefan das andere. Ködl und Ändi hatten beide ein weißes Eishockeytrikot an, was ihnen im weißen Schnee einige Vorteile bringen konnte. Dazu natürlich noch jede Menge Spezialausrüstung wie Sturmhaube oder Hut.
Stefan und Beni erkannte man daran, dass sie in Schwarz auftraten. Das hatte auch den Vorteil, dass man nicht seinen eigenen Mann abschoss, was im Eifer des Gefechts durchaus schnell passieren kann. Alle bis auf Laura und Lilli gingen dann los in Richtung Wald. Das Unternehmen Eis-Mond konnte beginnen!
Als wir das Kampfgebiet erreichten war es bereits stockfinster geworden und nur der helle Mond erleuchtete weiß die Flecken und Felder, die nicht durch Tannengrün abgedeckt wurden. Eine gespenstische Landschaft war entstanden, die wie bei einer Kuh mit schwarzen und weißen Flecken überzogen war. Das Gelände wurde grob abgesteckt, einige Regeln noch genauer erläutert und schon gingen alle auf ihre Startpositionen. Es war das Team Beni und Stefan, dass sich zu erst im Unterholz verbarg und den vom See kommenden Angreifern Ködl und Ändi entgegentrat.
Lange dauerten die Gefechte und der Kampf wog hin und her. Am Ende stand der Sieger jedoch fest: Erneut waren Ködl und Ändi Punktsieger über Stefan und Beni, auch wenn Ändi in der letzten Minute durch einen Augentreffer von Stefan außer Gefecht gesetzt wurde. Näheres zu unserem Treiben im Walde unter "Es war dunkel dort draußen..."
Zu Hause angekommen spielten wir dann bei bester Laune DSA bis in die Puppen.
Es waren bereits sechs Tage verstrichen, als am frühen Morgen André plötzlich aus der Dusche gesprungen kam und erklärte, dass Sylvester vor der Tür stand. Wir guckten natürlich sofort alle nach, doch das Treppenhaus war leer. Aber jetzt waren wir gewarnt und wir trafen unverzüglich alle notwendigen Maßnahmen: In Windeseile wurde eine Lebensmittelliste erstellt und es dauerte nicht lange, da schoß der Einsatzwagen 22 mit André und Ändi an Bord die Serpentinen herunter.
Fast gleichzeitig bewaffnete sich Beni mit dem Staubsauger und lief in der ganzen Wohnung Patrouillie. Stefan und Laura wetzten Messer und Gabel und legten schon einmal alles bereit. Sollte es doch kommen, dieses Sylvester!!!
André und Ändi durchflogen derweil schon den vierten Supermarkt - vergeblich. Das so dringend benötigte Chilli con Carne Pulver war nirgends auszumachen. Konnte man Sylvester so begegnen? Voller Panik und in Sorge um ihre Freunde packten sie mehr in Verzweiflung denn in weiser Überlegung einen ganzen Haufen Spaghetti ein und so schossen sie die Serpentinen wieder hoch. Noch konnten sie es schaffen, noch war es nicht zu spät.
Zu Hause war man bereits mit allen Vorbereitungen fertig und Ködl wartete nur noch auf das heiß ersehnte Kilo Körschen. Er brauchte diese unbedingt für seinen Kirschmichel
und als André die Türe hinein kam (natürlich nicht ohne Losung) nahm Ködl sie schnell, aber geheim, entgegen. Was wir auch tun konnten um Sylvester entgegenzutreten, hatten wir getan. Jetzt hieß es warten.
Und so verstrich die Zeit und es tat sich nichts. Sylvester ließ auf sich warten. Und während wir so zusammensaßen, packte irgendwer ein Kartenspiel aus und es dauerte nicht lange, da standen auch die ersten Flaschen Absolut-Vodka auf dem Tisch. Wir tranken uns Mut an, wussten wir doch genau, dass unser Rendezvous mit Sylvester nur eine Frage der Zeit war.
Irgendwann um kurz vor Zwölf machten wir uns über den Golfplatz auf
in Richtung Irish-Pub und wir waren kurz hinter der Driving Ranch, als uns Sylvester eingeholt hatte.
Von hier oben konnten wir bis weit ins Tal blicken und all die vielen Raketen beobachten, die in den klaren Sternenhimmel geschossen wurden. Mit ein paar Wunderkerzen konnten wir die ganze Szenerie noch verschönern.
Es wurde sich in die Arme gefallen, geknutscht und beglückwünscht.
Das neue Jahr fing gut an.
Bestens gelaunt und vor allem auch durstig stießen wir nur kurze Zeit später die schwere Türe in den Irish-Keller auf - es war Showtime. Schnell klimperten die ersten schweren Krüge gegeneinander
und es sollten nicht die letzten gewesen sein, berichtete man später.
Ein Humpen nach dem anderen wurde geleert
und es dauerte nicht lange, da rockten wir durch das ganze Lokal.
Der Rock wurde sogar so heiß, dass es fast eine wilde Schlägerei mit einer schlecht gelaunten Familienbande gab. Doch ganz Profi ließen wir uns nicht provozieren und lauerten viel mehr auf eine günstige Situation. Irgendwann musste Vatter oder Sohn ja mal alleine auf die Toilette ... Doch soweit kam es nicht. Das Gesocks machte sich vom Acker und gab unsere Stammecke wieder frei. Beni und Stefan konnten wieder von der Toilette zurück.
Und so rockten wir noch bis spät in die Nacht
und als schon keine Eule mehr flog und das Lokal schloß, machten wir uns auf den Heimweg.
So war das zumindest geplant, doch André der alten Fuchs, der beim Trinkspiel seinen Verstand behalten hatte und der hier im Pub die Krüge klüger leerte ist sich heute noch sicher, dass wir um 02:30 Uhr von den Türstehern hinausgeschmissen wurden. Na ja, nicht jeder glorreiche Abend kann auch glorreich enden ...
Der nächste Morgen war früh, als André und Lilli wie üblich Brötchen holen gingen.
Bei uns anderen war dagegen zunächst leichte Kost angesagt und wir starteten den Tag wieder mit der X-Box. Danach wurde kurz aufgeräumt und wieder DSA gespielt und so verstrichen die Tage in Crans Montana.
Beim DSA hatten wir übrigens des öfteren Probleme mit den neuen Regeln der 4. Edition, denn es war schon länger her, dass wir gespielt hatten und es spricht für sich, dass Ködl eines Nachts einen Alptraum hatte, dass die reale Welt jetzt ebenfalls in Initiativphasen eingeordnet wurde. Irgendwie kam bei diesen andauernden Regeldiskussionen, die wir nicht einmal gegeneinander führten, sondern es einfach nicht genau wussten, der Spielspaß manchmal zu kurz und DSA war leider nicht immer so cool wie sonst. Natürlich gab es auch gute und witzige Sachen. Ich erinnere da nur daran wie wir dem scheiß Grolm mit einem polizeilichen Durchsuchungsbefehl (von André ausgestellt, schließlich war er der Schutzpraetor) erst die Wohnung ausräumten, ihm dann nachher noch einen Mord anhingen, der ein ganzes Wohnviertel gegen ihn aufbrachte und wir dann erneut als Retter auftraten, um den Mob zurück zu halten. Wir tricksten sie alle aus ...
Aber wir hingen natürlich nicht nur in der Bude. Nach einer anstrengenden Prügelei am Hang,
die es traditionell in sich hatte und in der man sich nach gewohnter Art nie und nimmer auf den Kameraden zur Seite verlassen konnte, weil genau der derjenige sein konnte, der einem den Stoß in Richtung Hügelanfang gab, und in der sich sehr zum Bedauern einiger auch immer wieder Lilli einmischte, brachen Beni, Stefan, Ködl und Ändi an einem der letzten Tage erneut in den verschneiten Wald auf. Im Gepäck natürlich Photokamera und Rodelschlitten.
Und so durchstreiften wir über Stunden hinweg den Wald bei schönstem Wetter und klarer Luft und fuhren neben den alten Pisten auch noch nie erschlossene. Aber nicht nur Geschwindigkeit war gefordert, auch die richtige Körperbeherrschung, der nötige Mut und vielleicht auch ein wenig Glück wurden für jede Menge Stunts und Actioneinlagen benötigt.
So blau der Himmel, so blau war unser Hintern.
Es muss auch an diesem Tag gewesen sein, als Stefan in einem waghalsigen Manöver versuchte, nach einer langen Geraden Ködl in der Kurve zu überholen, in der die Strecke über den Bach geleitete. Und als Ködl zumachte und Stefan die Fahrt nicht mehr stoppen konnte war es eben jener Bach, der Stefan weich, aber nass und kalt, auffing.
Und so schnell wie wir in diesen Ferien an Bäumen und Sträuchern, Schneehasen und Waldschreinen, sowie am von Beni abgedrängten Ködl vorbei gesaust waren, waren auch die letzten Tage des Jahres 2003 aktionreich und schön vergangen und genauso schwungvoll, dynamisch und für einige von uns sehr erfolgreich (Ködl sollte mit Jubelschreien die lang ersehnte und verdiente Staatsprüfung mit Prädikat bestehen)das neue Jahr 2004 eingeläutetet.
Bis zum nächsten mal, wenn es wieder heißt: Crans Montana halt dich fest, wir kommen!