Gluringen im Sommer 2004. Der kleine Ort im Wallis sollte diesmal nicht Schauplatz eines unserer berühmt berüchtigten DSA-Urlaube werden; zumindest nicht im herkömmlichen Sinn. Immerhin tauchen aber nicht weniger als fünf alteingesessene DSOler auf der Bildfläche auf, und auch der eine oder andere Würfel hatte sich im Gepäck versteckt. Grund genug also, den Ereignissen dieser Sommertage ein wenig Platz auf den Seiten des schwarzen Ohrs einzuräumen.
Gluringen im Sommer 2004 - das war ein Schweizurlaub für Anfänger und Fortgeschrittene. Denn von der Stammcrew hatten es dieses Jahr nur André und Ködl geschafft, sich ein paar Tage freizunehmen. Hinzu kam eine multinationale Verstärkungstruppe, zusammengewürfelt aus allen Teilen Europas, und ohne jede Erfahrung in den Höhen der schweizer Alpen.
Da waren:
Diana Patricia Da Silva Lopes, Portugal...
... hatte als Erasmusstudentin in Osnabrück Ködl kennengelernt und seit April waren die beiden ein Paar. Von Ködl hatte sie schon viele Geschichten über die sagenumwobenen DSO-Urlaube gehört und freute sich nun darauf, selbst dabei zu sein.
Diana wurde zur meistbeschäftigten Köchin der Gruppe. Nach einer Portion Spaghetti Carbonara a la Diana war selbst die anstrengendste Wanderung schnell vergessen. Im Gelände hat sich Diana vor allem als Hundeführerin ausgezeichnet ("Ist der süüüüß, kutschi kutschi kutschi..."), aber auch als Seefahrerin auf dem Lago Maggiore und beim Schlittenfahren (ohne Schlitten) auf dem Grimselpaß hat sie eine gute Figur gemacht.
Des weiteren beherrscht Diana zahlreiche Fremdsprachen, von denen uns jedoch bei Kommunikationsversuchen mit den Walliser Ureinwohnern keine weiterhelfen konnte.
Antreas Koukis, Griechenland...
... hat Ködl ebenfalls in Osnabrück kennengelernt. Dort absolviert er zwar ein zweijähriges Masterstudium (Europäische Studien), im Herzen ist auch er jedoch Erasmusstudent.
Antreas ist ein As bei Pro Evolution Soccer und hat nach etlichen Partien (mindestens 1000, fragt Diana und Aurelie!! :-) die Schweiz fast ohne Niederlage verlassen; zwar vermuten João und Ködl dreckige Elfentricks, konnten jedoch nie etwas nachweisen. Daneben hat er sich als begeisterter DSA-Spieler herausgestellt, der ganz wie Beni mit seinem Zwerg nach der Devise "Erst zuschlagen, später nachfragen!" handelte. Allem voran ist Antreas aber, um "Fool on the Hill" zu zitieren, ein griechisches Original. Mit seinen ausgefallenen Gesprächsthemen ("Sieben mal, aber ich war zu betrunken!!") kam nie Langeweile auf, und seine gute Laune hat sich auf den Rest der Gruppe übertragen. Erwähnenswert ist noch, daß Antreas als einziger in der Lage war, die Kratzlaute der einheimischen Bevölkerung zu imitieren.
Aurelie, Frankreich...
... war zwar auch Erasmusstudentin in Osnabrück, hatte vor Reiseantritt mit den anderen jedoch nicht so viel zu tun. Als diese erfuhren, daß Antreas sie eingeladen hatte, mischte sich zunächst noch Neugier mit einer gesunden Portion Mißtrauen. Schließlich hatte Aurelie noch wenige Wochen zuvor Antreas auf einer Party zwei deftige Ohrfeigen verpaßt, und das, obwohl Antreas laut eigener Aussage WÖKLICH NICHTS gemacht hatte, sich an die genaueren Umstände jedoch seltsamerweise nicht erinnern konnte...
Natürlich stellten sich alle Befürchtungen als unbegründet heraus, und Aurelie paßte sich problemlos in die Gruppe ein. Nicht zuletzt ihr hat André seine Geburtstagstorte und die anderen ein Abendessen zu verdanken, dessen Zutaten bis heute unbekannt sind...
Beim DSA-Spielen fehlte Aurelie allerdings die nötige Geduld, und so zog es Heiltrud (ja, unter allen Namen im MSZ mußte sie sich gerade diesen aussuchen) schon am zweiten Spielabend vor, griechische Vokabeln zu lernen anstatt mit ihren Gefährten ins Abenteuer zu ziehen.
João Paulo Guedes Oliveira, Portugal...
... war der letzte Erasmusstudent im Bunde. Obwohl Fußballfan von ganzem Herzen, hatte auch das (unglücklich!) verlorene EM-Endspiel gegen Griechenland die Freundschaft zwischen João und Antreas nicht gefährdet, und so war es klar, daß auch er mit von der Partie sein würde.
Beim DSA-Spielen war João von den vier Neuanfängern sicher der motivierteste, was jedoch die erfahrenen DSA-Hasen André und Ködl nicht weiter verwunderte - als altem Schwermetaller mußten ihm blutige Kämpfe und durch-dunkle-Gänge-rennen einfach gefallen. Eigentlich war es überhaupt schon seltsam, daß João zwar so ziemlich jede Heavy-Metal-Band kannte, von Rollenspiel jedoch noch nie etwas gehört hatte.
Des weiteren muß man João hohe Leistungen bei Pro Evolution Soccer bescheinigen, gegen England level 5 und Antreas zog er allerdings nach stundenlangen erbitterten Kämpfen trotzdem meist den kürzeren. Zumindest an letzterem konnte er sich allerdings bei einer Schneeballschlacht auf dem Nufenenpaß mit einigen Volltreffern revanchieren...
Zwar handelt es sich um einen Schweizurlaub für Anfänger und Fortgeschrittene, nach guter Tradition beginnt aber auch dieser Urlaubsbericht im verregneten Deutschland, genauer gesagt: in Osnabrück.
Dort hatte gerade - wir schreiben Freitag, den 16.07.2004 - Ködl's Diplomverleihung stattgefunden, und gegen 20:30h waren endlich alle Verwandten und Bekannten abgereist. Das Gepäck der Osnabrücker hatten Ködl's Eltern schon mit nach Mönchengladbach genommen, so daß im Auto genügend Platz für fünf Personen sein würde: Ködl, João, Diana, Aurelie und Antreas. Die Ausländer waren an diesem Abend auf einem Abschiedsessen mit anderen Erasmusstudenten, während Ködl sich zuhause noch ein wenig erholte. Um 00:00h ging es dann endlich los - wenn auch zunächst nur nach Mönchengladbach. Dort wollten wir uns nämlich um 02:15h mit André treffen, und zwar - die alten DSO-Straßenregeln bestimmten es so - vor dem Haus von Ködl's Eltern.
In Mönchengladbach angekommen installierten André und Ködl zunächst den CB-Funk. Das war für die beiden natürlich nichts Besonderes und auch nicht für den regelmäßigen Besucher dieser Homepage; aber João, Diana, Antreas und Aurelie haben sich doch ein wenig gewundert (schnell sollten sie jedoch den Nutzen einer CB-Funkanlage erkennen). Während die Sachen in die Autos gepackt wurden - André war übrigens mit dem Touran seiner Eltern gekommen (wie immer vielen Dank) - beschlich Ködl und den Kommissar 00-Franken ein seltsames Gefühl. Etwas war da - SIE WAREN NICHT ALLEIN... ... äh... oder vielleicht doch, aber woher kam dann dieses seltsame Gefühl?
Als wir nach ca. zweieinhalb Minuten alles eingeladen hatten, war klar, wo der Hund begraben lag: Wir hatten, ich glaube zum ersten Mal überhaupt, keine Platz- und Packprobleme. "Verdammt!!", dachte Ködl, "Wir haben die Eishockeyausrüstung, die Rollschuhe, die Schlitten, die Playstation, die Qualitätsaxt, 1 m³ Decken, die Schlafsäcke, die Isomatten, eine Kiste Sticks, 80kg Spaghetti und zwei Päckchen Nudelsoße (jede für ein bis zwei Personen) vergessen. Doch auch Beni, Ändi, Arndt, Stefan und Laura fehlten, und so wurden wir schnell daran erinnert, daß uns kein traditioneller DSO-Urlaub bevorstand (die beiden letztgenannten Personen und eine Dritte mit besonders langen Ohren sollten wir an späterer Stelle jedoch noch wiedertreffen).
Nichtsdestotrotz machten wir uns gut gelaunt auf den Weg.

Das Wetter war, wie schon seit Wochen, schlecht in Deutschland, der Sommer ließ noch immer auf sich warten. Unter wolkenverhangenem Nachthimmel fuhren wir die A61 hinunter in Richtung Süden: André, Ködl und Diana im VW Touran, Antreas, João und Aurelie im Nissan Sunny. Dank des Funkgeräts war für Unterhaltung in beiden Autos gesorgt. Antreas und João spielten Beavis und Butthead, es wurden Lieder auf griechisch, deutsch, französisch, englisch und portugiesisch gesungen, über Gott und die Welt gesprochen, und so waren noch alle wach und guter Dinge, als kurz vor Stuttgart gegen 06:00h die Sonne aufging.
Wir kauften eine Vignette für Ködl's Sunny (der Touran hatte noch seine vom letzten Crans Montana Urlaub), und schon waren wir in Basel und in der Schweiz.
Das Wetter war zwar zunehmend besser geworden, aber der erste Eindruck der Ausländer von der Schweiz - Basel ist eine häßliche Industriestadt und von den Bergen sieht man noch nicht viel - war sicher ein wenig enttäuschend.
Als wir uns allerdings später bei strahlendem Sonnenschein langsam den Furkapaß hochschlängelten, unsere kleinen Autos inmitten der imposanten Berglandschaft, umgeben von Wasserfällen, Gebirgsbächen, riesigen Felsmassiven und ab und zu ein paar Kühen und Schafen, zeigte sich die Schweiz von ihrer schönsten Seite.
Wir legten eine kleine Pause beim Anstieg ein,
eine weitere oben auf dem Paß
und fuhren dann, immer entlang der Rhone, vorbei an Göschinen, an Oberwald, an Ulrichen, an Münster und schließlich an Reckingen, in einem Stück hinunter ins Wallis, bis wir am Ende Gluringen erreichten.

Dort wartete draußen vor der Tür des Sportgeschäfts bereits Frau Hagen mit Hund Tosch auf uns. Nach einem kurzen Gespräch mit Ködl führte sie uns in die Wohnung (wir hatten die große Wohnung im ersten Stock gemietet), und schnell wurden die Zimmer bezogen und die restlichen Dinge aus dem Auto geholt. Da wir nur zu sechst waren, konnten André und João ein eigenes Schlafzimmer haben, während Antreas mit Aurelie und Ködl mit Diana jeweils eines der größeren Schlafzimmer teilten. Nichts hatte sich hier verändert: Wie eh und je plätscherte hinter dem Haus der kleine Bach die Wiese hinunter (er machte das Zimmer von Ködl und Diana noch gemütlicher) und in weiterer Entfernung konnte man das Bimmeln der Alarmkuh hören. Eine lange Fahrt lag hinter uns ... die frisch gemachten Betten ... die kühle Bergluft ... Müdigkeit breitete sich aus, und so machten wir es uns erst einmal für ein paar Stunden bequem.
Am späten Nachmittag stand dann Essen auf der Tagesordnung, es gab Toastbrot mit Salami. Schnell merkten wir, daß wir mal wieder zu wenig Toastbrot gekauft haben. Da kann man André nicht einmal einen Vorwurf machen: Man kann sich im Supermarkt einfach nicht vorstellen, wieviel Toastbrot man wie schnell mit sechs Leuten wegputzen kann.
Am Abend haben wir etwas Computer gespielt bzw. gelesen, aber es war noch immer genug Müdigkeit übrig, und wir verkrümelten uns früh ins Bett.
Am nächsten Morgen wurde zuerst einmal Frühstück vom Bäcker geholt: Nach guter alter DSO-Urlaubstradition stand Ködl als erster auf und überraschte die anderen mit frischen Ballons und Gipferli.
Am Nachmittag - die Zeit war dank Pro Evolution Soccer schnell vergangen - ging´s zum ersten Mal raus an die frische Luft. Wir wanderten zu einer schönen kleinen Bergkapelle, die wenige Kilometer entfernt am Fuß, oder vielleicht ein bißchen weiter oben, sagen wir an den Knöcheln, der Berge lag.
Auf dem Weg passierten wir den altbekannten Campingplatz (Pudel mußten dort angeleint werden),
ein schwuler Ent hatte außerdem seine Schuhe vergessen.
Oben angekommen ruhten wir uns aus und sahen uns die Kapelle an.
Dann wollten wir auf gleicher Höhe weiter wandern, immer entlang der Berge, um schließlich am Flugplatz in Münster wieder hinunterzugehen und durchs Tal den Weg nach Hause anzutreten. Soweit die Theorie.
Ungefähr auf Höhe des Flugplatzes angekommen, konnten wir jedoch keinen Weg finden, der zurück ins Tal führte. So mußten wir uns durch unwegsames Gelände kämpfen, kalte Gebirgsbäche mit glitschigen Steinen überqueren, Elektrozäune überwinden und durch hüfthohes Gras waten. Nach einigen Mühen kamen wir auf dem Wanderweg zwischen Münster und Reckingen aus, kurz danach erreichten wir Reckingen.
Dort gab es ein riesiges Schachspiel auf dem Boden, eine Partie sollte darüber entscheiden, wer das Abendessen am nächsten Tag zubereiten mußte (an diesem Tag hatte sich Diana schon freiwillig gemeldet). Die Kontrahenten: Das griechisch-portugiesische Paar Koukis/Oliveira trat an gegen die russischen Defensivspezialisten Andreijtschew und Ködlov. Aus unerklärlichen Gründen verloren die zweitgenannten trotz überlegener Strategie unglücklich.
Als wir wenig später nach insgesamt etwa vier Stunden zu Hause ankamen, hatten alle einen Riesenkohldampf. Diana kochte Spaghetti Carbonara, und der Abend endete gemütlich mit Lesen, Fernsehen und Pro Evolution Soccer (überhaupt nutzten João, Antreas und Ködl jede freie Minute, um hier ihre Kräfte zu messen).


Als wir am Montag aufwachten, hörten wir draußen schon den Regen herunterfallen. Eigentlich hatten wir uns vorgenommen, bei schlechtem Wetter nach Mailand zu fahren, aber es war schon viel zu spät, und ein Ausflug hätte sich nicht mehr gelohnt. Wir verschoben unser Vorhaben daher auf den nächsten Tag. Statt dessen machten wir es uns in der Wohnung gemütlich. Gegen Nachmittag brachen Diana, André, João und Ködl sogar zu einem Schlechtwetterspaziergang mit Tosch, dem Hund unserer Vermieter, auf. Wir gingen die Rhone entlang in Richtung Campingplatz. Dabei stellten wir fest, wie scheißkalt das Wasser dort ist (gefühlte Temperatur ca. -274 °C). Tosch schien das allerdings nichts auszumachen, er konnte gar nicht oft genug hineinspringen und an den flachen Stellen durch das Wasser laufen.

Abends machten André und Ködl Wurstgulasch (mehr André als Ködl) und alles war gespannt auf die erste große DSA-Session. Ködl hatte tagsüber ein Abenteuer vorbereitet und nun würde es endlich losgehen. So kam es, daß sich in der Nähe von Donnerbach auf schicksalhafte Weise die Wege kreuzten von Nanus dem Zwerg (Antreas), Brin (an den richtigen Namen des Helden können wir uns nicht mehr erinnern, daher wurde hier einfach ein Name aus dem MSZ ergänzt) dem Söldner (João), Arutan der Waldelfe (Diana), Heiltrud der Streunerin (Aurelie) und Alrik (ok, ok, auch das ist nicht der richtige Name, wie hieß der denn nur???) dem Ritter (André).
Es galt, sich einer Räuberbande zu entledigen, die in der Gegend ihr Unwesen trieb und ein gestohlenes Schwert dem Eigentümer zurückzubringen. Natürlich kam es immer wieder zu lustigen Szenen, immerhin waren vier der fünf blutige Rollenspielanfänger: Nanus (den Antreas eigentlich Gbob nennen wollte, Ködl konnte ihn jedoch davon abbringen) hätte beinahe den einzigen Gefangenen Dieb zu Tode gefoltert und damit jede Möglichkeit zunichte gemacht, das Versteck der Räuber ausfindig zu machen (das Lustige daran war, daß der Dieb geknebelt war und nicht einmal antworten konnte). In einer anderen Situation wäre Nanus beinahe auf Brin losgegangen, weil dieser ihn als "mein kleiner Freund" bezeichnet hatte. Auch beim Finale - das Räuberversteck in einem ehemaligen Bauernhof mußte eingenommen werden - ging es drunter und drüber, aber mit ein bißchen Hilfe von oben hat sogar das geklappt. Ein Blick auf die Uhr zeigte, es war spät geworden. Müde, aber um einige Erfahrung reicher (etwa 150 Abenteuerpunkte befanden sich nun in den Heldenrucksäcken), gingen wir schlafen.

Am Dienstagmorgen hatte sich das Wetter kaum verbessert, die Berge waren wolkenverhangen, und noch immer regnete es. Wir allerdings schafften es an diesem Tag tatsächlich, recht früh aus den Betten zu kommen; zum Frühstück gab es Ballons, die Ködl auf seinem täglichen Morgenspaziergang vom Bäcker mitgebracht hatte.
Wenig später saßen wir mit gepackten Rucksäcken in den Autos - auf dem Weg nach Mailand. Wir fuhren den Nufenenpaß hinauf, und oben angekommen hielten wir an, um einen wehmütigen Blick auf diese altehrwürdige Stätte vergangener Rollenspieltage zu werfen. Doch als wir den Abhang hinuntergingen, wollte im diesigen Nebel nichts so richtig an die alten Zeiten erinnern - André fiel auf, daß nicht einmal die kleinen Gebirgsseen
sich an ihren ursprünglichen Stellen befanden.
Trotzdem bleibt es dort oben natürlich eine beeindruckende Landschaft und in einer Hinsicht hatte sich nichts verändert: Wie immer gab es Schnee. So dauerte es nicht lange, bis die ersten Schneebälle flogen. Auf dem Bild kann man das 1:0 von Portugal gegen Griechenland bewundern.
Als wir nach einer Weile wieder oben auf der Straße angekommen waren, rannte Antreas plötzlich los und rief "Wettrennen". Da wollten Ködl und João natürlich nicht hintenanstehen und schon liefen die drei wie verrückt in Richtung der geparkten Autos. Diese waren, darauf haben wir uns später geeinigt, viel zu weit entfernt, denn wenn man auf 2500 m Höhe ein Wettrennen macht, nachdem man gerade einen Abhang hochgeklettert ist, werden die letzten Meter ganz schön lang! Antreas konnte seinen Vorsprung knapp ins Ziel retten, aber der moralische Sieger war André, der in gewohnter Kommissarmanier zurückschlenderte, zwar als letzter ankam, aber dafür keine Angst haben mußte, daß seine Lungen explodieren könnten.
Wir fuhren weiter. Nun ging es die andere Seite der Alpen hinunter, quer durch den Tessin, den italienischsprachigen Teil der Schweiz. Die Landschaft ist ganz anders als im Wallis, nicht so karg und felsig, die Berge sind dort mit Bäumen übersät und natürlich gibt es die berühmten Seen. Das alles hoben wir uns allerdings für die Rückfahrt auf und fuhren erstmal auf dem kürzesten Weg nach Mailand. Seit der Abfahrt hinunter vom Nufenenpaß war das Wetter zusehends besser geworden, und als wir an den letzten Mautstationen vor den Toren Mailands im Stau standen, waren die Insassen in Andrés Autos froh, daß bei Elfen Klimaanlage zur Serienausstattung gehört. In Ködl's Auto dagegen wurde ordentlich geschwitzt. Wir meisterten erstaunlich gut den Mailänder Innenstadtverkehr (wir berichteten in "Wir waren weit draußen") und fanden zwei günstige Parkplätze direkt nebeneinander. In der Stadt machten wir dann die übliche DSO-Touristentour: Burger King, Mc Donald's, Domplatz und diese Passage, die direkt daneben liegt (wir waren jetzt schon hundertmal da und ich weiß noch immer nicht wie das heißt).

Auf dem Rückweg entdeckten wir allerdings noch etwas Neues: Wir sahen ein interessantes Gebäude und beschlossen, uns das mal aus der Nähe anzusehen.
Fast inmitten Mailands lag ein altes Kastell mitsamt eigener kleiner Parkanlage, genau das Richtige also, um nach dem stressigen Hin- und Hergelaufe in der Innenstadt ein wenig zu entspannen. Kurzzeitig ging noch Antreas verloren, aber dann tauchte er wieder auf.
Wir fanden auch ohne größere Probleme unsere Autos wieder, und es ging zurück: In die Schweiz, in die Schweiz, in die Schweiz.
Kurz vor Sonnenuntergang erreichten wir Locarno am Lago Maggiore. Dort war es genauso schön wie immer. Der See, umgeben von hohen Bergen, die Promenade am Ufer mit ihren Restaurants und die ganze ruhige und angenehme Atmosphäre. Wir setzten uns zunächst ein wenig ans Ufer, unterhielten uns und ließen die Seele baumeln, bis uns der Hunger zurück in die Realität holte, denn bekanntermaßen halten Hamburger und Pommes nicht lange vor.




Wir setzten uns in eines der Restaurants und aßen Pizza. Dabei kamen wir irgendwie auf unseren letzten DSO-Mailand-und-Locarno-Besuch zu sprechen und die damalige Fahrt mit dem Tretboot. Und wer hätte es gedacht, das gleiche Tretboot schaukelte noch immer an der gleichen Stelle im Wasser, als hätte es seit Jahren nur auf unsere Rückkehr gewartet. Diese Einladung zu einer mitternächtlichen Butterfahrt konnten wir natürlich nicht ausschlagen, zumal das Boot genauso schlecht wie eh und je nur mit einem Seil an einer nahen Boje vertäut war. Ködl schwamm also zu der Boje und machte das Seil los, versteckte sich im Wasser hinter dem Boot, wenn am Ufer Leute vorbeigingen, und schob dann in einem unbemerkten Moment das Boot zum Ufer, woraufhin Diana und João zustiegen. Ursprünglich wollte auch Antreas mitkommen, aber Aurelie glaubte, es sei zu gefährlich. Wir entfernten uns langsam vom Ufer, und in der nächsten knappen Stunde umgaben uns nur die Berge, das Wasser und das gleichmäßige Plätschern des Tretboots. Auf dem Rückweg wären wir fast umgekippt, als wir in die Bugwellen eines größeren Schiffes kamen, das einige hundert Meter entfernt parallel neben uns fuhr, aber es ist noch einmal gutgegangen; zum Glück, denn João hatte seine Kamera dabei.
Wieder bei den anderen, trockneten wir uns ab und zogen die nassen Sachen aus. Schließlich machten wir uns auf den Rückweg nach Gluringen. Es war spät geworden (ca. 01:00h) und als wir den Nufenenpaß hinauf fuhren, war es stockdunkel. Je höher wir kamen, desto kälter wurde es draußen, und desto gemütlicher war es in den warmen Autos. Auf der anderen Seite des Passes, also schon auf der Talfahrt ins Wallis, hielt der blaue Sunny an, denn ein nahegelegener kleiner Wasserfall hatte Ködl zu einer Pinkelpause inspiriert. Was für einen unglaublichen Sternenhimmel es dort gab! Man konnte ohne weiteres die Milchstraße sehen und der ganze Himmel funkelte wie ein Weihnachtsbaum. Wirklich schade, daß wir keine Photos davon machen konnten, aber das war allein Andrés Schuld: Er hatte Ködl seine Kamera nicht geliehen, sondern sie egoistisch in seinem eigenen Auto verstaut. Nach kurzer Weiterfahrt, gegen 03:00h nachts, kamen wir zuhause an, aßen noch ein wenig und machten es uns in unseren Betten bequem.
Den gesamten nächsten Tag verbrachten wir in der Wohnung. Aurelie lernte mit Antreas Griechisch, Diana sah fern, André bereitete ein Abenteuer vor und Ködl und João spielten Pro Evolution Soccer, manchmal gegen Antreas, meistens gegen Dreck-Computerengland Level 5.
Nach dem Abendessen fingen wir mit DSA an, dieses mal ohne die Mädchen. Wie zuvor wollte Antreas alle umbringen, tja, ein Zwerg mit Minderwertigkeitskomplexen ist schon gefährlich! Trotzdem wurde es ein gutes Abenteuer, und am Ende des Abends waren die Helden in die dritte Stufe aufgestiegen.
Am darauffolgenden Morgen wurden wir von strahlendem Sonnenschein geweckt, perfektes Wetter, um im Brigerbad schwimmen zu gehen. Es war übrigens der 22.07., die Elfen unter den Lesern wissen nur zu genau, welcher Tag das ist. Richtig, André hatte Geburtstag.

Und als Geburtstagsgeschenk überlegten wir uns, ins Brigerbad zu fahren, was für ein Glück, daß wir das sowieso schon vorhatten. Aurelie und Antreas blieben unter fadenscheinigen Vorwänden zuhause, um in aller Ruhe die Geburtstagsfeier vorzubereiten und eine Torte zu backen. Einmal im Brigerbad angekommen und ein Fleckchen auf der Liegewiese ergattert, war es so heiß, daß man sich konzentrieren mußte, um nicht beim Liegen in der Sonne zu schwitzen.
Der Vorteil davon war, daß es nicht an der nötigen Motivation fehlte, sich ab und zu im Wasser abzukühlen. Im berühmt-berüchtigten Strudelbecken (ein Becken, in dem sich das Wasser immer im Kreis dreht, in Intervallen mal schnell, mal langsam), ging es diesmal weniger heiß her als beim letzten Mal. Die Herrschaft über den ebenfalls berühmt berüchtigten Stein überließen wir - widerwillig - diesmal den ortsansässigen Kindern, dafür gab es aber auch keine Verletzten.
An der Wasserrutsche war die Schlange so lang, daß niemand von uns Lust hatte, sich anzustellen, aber sowieso war an diesem Tag bei über 35 °C jede Anstrengung zuviel. Das heißt natürlich nicht, daß wir nichts gemacht hätten und nur faul in der Sonne gelegen haben. Aber das kann man ja auf den Bildern sehen.
Um 18 Uhr schloß dann das Schwimmbad und wir wurden vom Bademeister freundlich darauf hingewiesen, daß wir jetzt wirklich gehen sollten (es gab anscheinend vorher Lautsprecherdurchsagen, aber niemand von uns hatte sie verstehen können). Wir gingen noch ein bißchen in Brig spazieren, als André einfiel, daß es hier einen Dönermann geben mußte: Wir hatten uns nämlich vor längerer Zeit in Crans Montana mit dem dortigen Dönermonopolisten unterhalten, und der hatte uns gesagt, daß ein Freund von ihm einen Dönerladen in Brig hätte. André und Ködl gingen also hier die Straße hoch,
dann über den kleinen Platz,
vorbei am Disney-Schloß,
links, geradeaus, rechts in die Seitengasse rein,
noch ein Stück weiter - und schon hatten sie ihn gefunden. So etwas nennt man wohl Dönerintuition. Und weil wir in der vornehmen Schweiz waren und nicht in Duisburg Ruhrort, hieß der Laden nicht "Iskender III", sondern "Royal Kebap".
Dementsprechend waren auch die Preise nicht besser als in Crans Montana, aber wir ließen uns nicht lumpen, und lecker waren die Döner schon, das mußte man zugeben.
Zurück in der Wohnung ging dann die Riesengeburtstagsfeier los. Aurelie und Antreas hatten eine Torte gemacht und ein Geburtstagsessen nach einem geheimen Rezept zubereitet (geheim, weil sie uns nicht verraten wollten, welche Zutaten darin waren). Wir aßen alles - die Döner waren ein hervorragender Appetitanreger gewesen - und benutzten ejne Flasche Sekt als Absacker und gleichzeitig als warm-up für den restlichen Geburtstagsabend. Kurz vor dem Schlafengehen spielten João, Antreas und Ködl noch einige Partien Pro Evolution Soccer, André hatte es sich gewünscht, weil er so gern dabei zusah.





Zu Beginn hatte ich ja bereits versprochen, daß außer André und Ködl noch weitere bekannte Gesichter aus dem Team-DSO in diesem Urlaubsbericht auftauchen würden. Am nächsten Tag, es war Freitag der 23.07.2004, sollte es dazu kommen. Gegen 15 Uhr klingelte es, und vor der Tür standen Laura, Stefan und Lilli. Die drei hatten sich einige Tage vorher kurzfristig zu einem Blitzurlaub in Crans Montana entschlossen, jetzt befanden sie sich bereits wieder auf der Rückfahrt nach Deutschland. Es gab ein kleines Hin- und Her, ob wir einfach nur im Tal ein wenig spazieren gehen sollten oder lieber mit den Autos irgendwohin fahren wollten, wo die Natur etwas spektakulärer ist. Trotz engen Terminplans konnten sich Laura und Stefan zu letzterem durchringen und so beschlossen wir, mit der Gondel aufs Eggishorn zu fahren (vielleicht wollte Stefan einfach sein Gondeltrauma aus den vorangegangenen Urlauben überwinden - bis jetzt hatte er es nämlich noch immer nicht geschafft, die anderen zum Gondelfahren zu überreden). Jemand hat mir einmal erzählt, die Gondel am Eggishorn sei die größte Europas. Ob das wirklich stimmt kann ich nicht sagen, sicher ist es aber die teuerste: Für eine Fahrt nach oben wollte das Mädchen an der Kasse über 50 Franken haben, von jedem! Da auch der Wetterbericht nichts Gutes voraussagte, bliesen wir die Sache nach kurzer Diskussion ab. Ein weiterer Rückschlag für Stefan, und wir waren so kurz davor gewesen. Wird es jemals eine gemeinsame Gondelfahrt des DSO-Teams geben? Wird Ugin's Hütte je ihren Besitzer wechseln? Und kann Hense als erster Mensch mit seinem Fahrrad zum Mond fliegen? Fragen über Fragen, und keine Antworten in Sicht.


Wir disponierten schnell um und entschieden uns, zum Grimselpaß zu fahren. Dort ist die Landschaft auch sehr schön, man kann fast umsonst mit dem Auto dorthin gelangen, und es gibt einen kleinen Minizoo. Nach einer dreiviertel Stunde Fahrt waren wir schließlich da. Wir parkten die Autos direkt vor diesem fetten Abgrund (kann man auf dem Bild leider nicht so gut erkennen), damit sie sich, während sie auf uns warten mußten, wenigstens das schöne Panorama ansehen konnten.
Wir sahen uns als erstes den Minizoo an, es gab Eulen, Schneehühner und vor allem süüüüße Murmeltiere.
Schwer zu sagen, wer davon begeisterter war, Diana oder Lilli.
Dann wanderten wir los, und als wir weit genug von der Strasse weg waren, ließen wir Lilli von der Leine. Hier mußte das Hundeparadies sein, jedenfalls rannte sie durch die Gegend, als gebe es nichts Schöneres: Nach vorne zu Stefan, wieder zurück zu Laura, Stöckchen holen, den Abhang runter, wieder rauf, durch den kleinen Fluß, hin und her, Stunde um Stunde. Was für ein Konditionsmonster.











Auf einem Schneehang kam es zu Kämpfen zwischen Antreas und João sowie (erbitterter geführt) zwischen Stefan und Ködl. Lilli konnte sich vor lauter Freude gar nicht entscheiden, wem sie zuerst in die Schuhe beißen sollte. Stefan gewann den Positionskampf gegen Ködl und plazierte sich an einem weiter oben gelegenen Stück des Abhangs. Von dort aus feuerte er Schneebälle auf Ködl, der keinerlei Deckung hatte. So blieb Ködl keine andere Wahl als ein Sturmangriff. Das war aber gar nicht so einfach, der Abhang war rutschig, und Ködl mußte bis er endlich oben bei Stefan ankam, einige gemeine Schneeballtreffer einstecken. Dann wollte er Stefan in den Nahkampf zwingen, doch dieser wich aus und schubste Ködl wieder den Abhang hinunter. Ein letzter Versuch, Stefan mitzureißen, schlug fehl und, schon befand sich Ködl rutschend auf dem Weg nach unten, begleitet von einem erneuten Schneeballhagel und Lilli, die ihm in den Fuß biß. Was für eine peinliche Niederlage.
Als wir ein Stück weitergewandert waren entdeckten wir einen riesiglangen Abhang, perfekt geeignet für ein Schlittenrennen. Leider hatten wir keine Schlitten dabei, aber das würde schon irgendwie gehen: Stefan, Ködl und Antreas machten sich auf den Weg nach oben. Ohne Schlitten wollten wir jedoch einfach nicht so richtig in Fahrt kommen, Stefan versuchte es old-style auf dem Hintern, Ködl auf dem Bauch, auch mit viel Anlauf, aber das Ergebnis war immer dasselbe: Nach ein paar Metern blieb man einfach stehen. So rannten wir den Abhang wieder hinunter zu den anderen.
Dabei passierte es: Antreas trat unglücklich auf und knickte sich das Knie um. Diagnose: Kreuzbandriß, sechs Monate Pause. Antreas meinte jedoch, es sei nicht so schlimm, und daß ihm das schon vorher passiert sei. Fakt ist jedoch, daß er den Rest des Urlaubs nur humpelnd verbringen konnte.
So wanderten wir noch ein wenig umher, Stefan rannte mit Lilli durch den Gebirgsbach und konnte so beweisen, wie wasserdicht seine neuen Outdoorschuhe waren, Ködl und Diana schafften noch eine kleine Schlittenfahrt ohne Schlitten.
Irgendwann drehten wir um, wir mußten ja schließlich noch den ganzen Weg zurück und wir hatten einen Verletzten dabei. An den Autos verabschiedeten wir uns von Stefan, Laura und Lilli, die von dort aus direkt weiter nach Deutschland fahren wollten. Wir anderen fuhren zurück zur Wohnung, und von diesem Tag gibt es weiter nichts Erzählenswertes zu berichten: Die Wanderung hatte uns müde gemacht, und nach dem Abendessen gingen alle früh schlafen. Nicht einmal Pro Evolution Soccer konnte uns von unseren warmen Betten fernhalten.
Dann stand auch schon der letzte volle des Urlaubs an. Wie jedesmal war die Zeit im Flug vergangen; gerade war man noch auf der Hinfahrt, hat sich über die ersten Berge gefreut, und schon muß man wieder zurück. Aber das ist auf der anderen Seite ja auch ein gutes Zeichen, und der nächste Urlaub kommt bestimmt - wenn auch vielleicht nie wieder mit den gleichen Leuten.
Wir schliefen lange und wußten danach irgendwie nichts mit unserer Zeit anzufangen. Es ist immer das gleiche: Wenn man einmal merkt, daß es bald vorbei ist, geht der Flow verloren! Wir hingen also in der Wohnung rum, lasen, sahen fern oder spielten Computer, bis sich am späten Nachmittag endlich Antreas und Aurelie zu einem Spaziergang aufrafften und so das Delirium beendeten. Davon motiviert, machte sich auch Diana auf den Weg, um noch einmal zu der kleinen Gebirgskapelle in den Bergen zu wandern. Ködl beschloß, zum Flugplatz in Münster zu laufen, auf dem Rückweg wollte er sich mit Diana an der Kapelle zu treffen. Das ist ein guter Plan, wenn man den Weg kennt, aber Ködl hatte sich im wahrsten Sinne des Wortes verlaufen. So mußte er beinahe die doppelte Strecke zurücklegen, bis er völlig erschöpft und mit letzter Kraft an der Kapelle ankam. Zum Glück hatte Diana aber gewartet, und die beiden konnten noch eine Weile die Ruhe dort oben und den Ausblick ins Tal genießen.
Als wir später wieder alle in der Wohnung versammelt waren, fingen wir schon einmal mit dem Aufräumen an, denn am nächsten Morgen mußten wir die Wohnung bereits um 10:00h in einem ordentlichen Zustand übergeben. Seltsamerweise haben wir von diesem Tag nicht ein einziges Foto gefunden, aber ehrlich gesagt gab es auch nichts Aufregendes zu fotografieren. Der Tag endete mit einem langen Gespräch in der Küche, wie es sonst eigentlich erst geführt wird, wenn man ein paar Bierchen intus hat: Über Freundschaft, Ziele im Leben, über die unterschiedlichen Mentalitäten von Deutschen, Portugiesen und Griechen und überhaupt…
Ein letztes Mal noch in den gemütlichen Betten schlafen, die frische Bergluft atmen und dem kleinen Bach hinter dem Haus zuhören…, und schon war der Morgen da. Wir gaben die Schlüssel ab und verabschiedeten uns von Frau Hagen und von Tosch.
Wer die restlichen Urlaubsberichte kennt, weiß, daß die Rückfahrten normalerweise bestenfalls langweilig, meistens sogar nervig und scheiße sind. Dieser Urlaub sollte eine angenehme Ausnahme werden. Wir hatten beschlossen, nicht in einem Stück durchzufahren, sondern einen kleinen Umweg über Luzern zu nehmen, um uns die Stadt, den See und die berühmte Brücke anzusehen. Aber zuerst einmal kurvten wir einsam die Serpentinen des Furkapasses hinauf, hielten oben ganz kurz an, um einen letzten Blick ins Wallis zu werfen und schlängelten uns dann auf der anderen Seite ebenso langsam wieder hinunter.





Als wir einige Zeit später Luzern erreichten, hatten wie zunächst kleinere Schwierigkeiten, das Zentrum zu finden, fanden es aber schließlich doch, und dazu noch zwei freie Parkplätze. Zuerst gingen wir zu McDonalds, denn wir hatten noch nicht gefrühstückt. Als Ködl nach langem Warten endlich an der Reihe war, wollte er ein Big Mac Menu bestellen, aber das klappte so nicht: Der Mann an der Kasse frage irgendwas, doch Ködl konnte nicht verstehen, was er wollte. "Wie bitte?" Freundlich wiederholte der Mann, was er gesagt hatte, aber Ködl verstand wieder nicht. "Entschuldigung, aber ich habe sie noch immer nicht verstanden." Der Mann versuchte es nun noch einmal in anderen Worten, aber der Erfolg war derselbe - nada. Und da wundern sich manche, warum bei Schweizern im deutschen Fernsehen Untertitel eingeblendet werden. Das Gespräch endete damit, daß man sich auf Englisch verständigte und des Rätsels Lösung war, ob zu den Pommes nur Ketchup oder auch Senf kommen sollte. Antreas fand später auf dem Weg zur Toilette eine Playstation mit "Spiderman", aber das konnte uns nicht lange aufhalten, mit vereinten Kräften zerrten und zogen wir ihn zum Ausgang.

Dann machten uns endlich auf den Weg zum See. Höhepunkt unserer Besichtigung war natürlich die legendäre hölzerne Kapellbrücke. Diese war 1332 gebaut worden und stand heute noch immer da. Krasse Wurst! 1993 war sie allerdings bei einem Brand fast vollständig zerstört worden, aber weil bei einer Restauration in den sechziger Jahren jedes einzelne hölzerne Bauteil registriert wurde, konnte sie originalgetreu wieder aufgebaut werden. Jetzt sag noch einer bei DSO lernt man nichts.
Wir liefen noch ein wenig durch die Stadt, doch es war schon spät geworden, und eine lange Fahrt lag noch vor uns.
An der deutschen Grenze gab es Probleme mit den Grenzbeamten: João hatte clevererweise seinen Personalausweis bei André im Auto gelassen, und André war aufgrund seiner aggressiven Fahrweise als erster über die Grenze gerast.

Dazu kam noch, daß der Funk aufgrund eines Wackelkontakts nicht richtig funktionierte, es gab also praktisch keine Möglichkeit, an den Ausweis zu gelangen. Wir mußten erstmal rechts ranfahren. Die Herren und Frauen Grenzbeamten witterten einen großen Clou und malten sich schon die Schlagzeilen in der Bildzeitung aus: "Grenzjäger Schulze paßt auf! Internationaler Menschenhändlerring hochgenommen. 25 kg Heroin und Sack mit Würfeln in blauem Nissan Sunny sichergestellt.". Zuerst stellten sie uns einige Fragen, dann hielten sie Rücksprache mit ihren Funkgeräten, aber nach kurzer Zeit mußten sie eingestehen, daß wir nicht sehr verdächtig waren. So durften wir, nachdem wir noch etwas gewartet hatten, die Grenze passieren und trafen uns mit den anderen auf der deutschen Seite des Rasthofes. Von dort aus fuhren wir in einem Stück nach Mönchengladbach, wo Diana und Ködl ein paar Tage blieben (André wohnte ja ohnehin da), während die anderen noch am selben Abend den Zug nach Osnabrück nahmen.
Und so endete der erste internationale DSO-Urlaub. Wird es auch der letzte sein? Das weiß nur die hagere Frau in der grünen Wollrobe, doch die verrät es nicht.
Zum Zeitpunkt, in dem ich diesen Bericht schreibe, ist João bereits nach Portugal zurückgekehrt, Aurelie nach Frankreich. Antreas ist zwar noch in Osnabrück, jedoch als einziger von allen; denn Ködl hat sein Studium dort beendet und lebt nun in Madrid, zusammen mit Diana. Wir sind in allen Himmelsrichtungen über Europa zerstreut, aber was heißt das schon in Zeiten des Internets und der Billigflüge, in denen man 15 Stunden mit dem Auto fahren kann, ohne eine Pause zu machen. Deshalb sage ich einfach mal optimistisch: "Bis zum nächsten Mal!" - wann und wo immer das sein mag!