Während Ändi und Beni also einen aufregenden Tag vor dem heimischen Fernseher verbrachten machten André, Arndt, Hense, Stefan und Ködl sich im silbernen Einsatzwagon auf nach Mailand.
Der Weg dorthin sollte eigentlich kein größeres Problem darstellen: Die schweizer Kantonspolizei ahnte nichts, der Nufenenpaß war schneefrei und außerdem hatte man mit André einen erfahrenen Fahrer hinter dem Steuer, der sich nicht nur auf's Fahren, sondern auch auf's Kartenlesen und Kartenbesorgen bestens verstand. Sein einziges Manko: Mangelhafte Italienischkenntnisse.
Wir wußten, wenn wir nicht genau aufpaßten, könnte uns das spätestens bei der Entrichtung der ersten MAUT-Gebühr zum Verhängnis werden. Mit einer gehörigen Portion Mißtrauen rechneten wir dort dann mehrere Male nach, verrechneten uns beim Umrechnen, verstanden außerdem den geforderten Betrag immer wieder falsch, was alles noch mehr in die Länge zog, und bezahlten dann doch das ursprünglich Verlangte - während hinter uns eine Meute hupender, wild gestikulierender Italiener wartete.
In Mailand selbst herrschte ein Verkehr in dem André seine deutsche Fahrausbildung mehr hinderlich denn förderlich war: So gab es zum Beispiel ein Hupkonzert, wenn man trotz freier Kreuzung nicht über eine rote Ampel fuhr! An einer Kreuzung hatte nicht Vorfahrt, wer sich auf der Vorfahrtsstraße befand, sondern der, der zuerst (oder am lautesten?) gehupt hatte und von dreispurigen Kreisverkehren ohne eingezeichnete Fahrstreifen will ich gar nicht sprechen (Autoscooter - es fehlten nur die Fähnchen!). Soweit hatten wir also Spaß.
Nach langer Zeit hatten wir dann auch endlich ein Parkhaus gefunden. Das war allerdings so zugeparkt, daß wir den Wagenschlüssel dalassen mußten, damit die Parkhausmarios den Wagen ab und zu aus dem Weg stellen konnten wenn einer durch wollte!? Na gut - wir nahmen also alle wertvollen Gegenstände mit und machten uns zu Fuß auf den Weg. Viel Aufregendes ist uns in Mailand nicht passiert: Es gab fast so viele Burgerkings wie Tauben, und wir bekamen endlich mal wieder ein paar hübsche Frauen zu sehen (im Wallis gibt es jedenfalls keine - die werden wahrscheinlich nach Gesichtskontrolle durch die Schweizer Kantonspolizei wieder ausgewiesen). Stefan löhnte dann noch als einziger Geld dafür, um den Dom zu besichtigen,
während wir draußen blieben und was ganz anderes besichtigten: HENSES FRANKENHEIM VORRAT! HÄHÄ!!!! Und da seht Ihr nun, daß wir auch was zum Image des deutschen biersaufenden Touristen beisteuern!
Ein bißchen langweilig bisher?
Keine Sorge, Action gibt es gleich noch genug...
Schon leicht angeheitert machten wir uns auf den Weg zurück zu unserem Auto, äh..Einsatzwagen und schafften es sogar irgendwie, Mailand ohne Unfall wieder zu verlassen. Da das Wetter schon den ganzen Tag über traumhaft war, hatten wir beschlossen, auf der Rückfahrt am Lago Maggiore

zu halten und uns dort ans Ufer zu setzen, um den Tag gemütlich ausklingen zu lassen.... aber weit gefehlt - es ging gerade erst richtig los!
Schon im Vorbeifahren entdeckte Ködl ein paar Mädels, die auf Decken am Ufer saßen und Reggaemusik aus einem Ghettoblaster hörten. Wir parkten schnell, packten einen beachtlichen Vorrat Bier ein und gingen hin. Schon nach kurzer Zeit setzten sich zwei der Tusen (Schweizerinnen, die aber nicht aus dem Wallis kommen konnten :-) zu uns rüber und unterhielten sich mit Arndt. Dabei entstand das übliche dämliche Gespräch von "Was hört Ihr denn so für Musik?" über "Woher kommt Ihr denn?" bis hin zu so einem Schwachsinn wie "Wie ist denn die Schule bei euch so?".... Ihr seht, die Situation drohte uns zu entgleiten. In diesem Moment kam allerdings Stefan vom Pizzaessen zurück und schnappte gerade noch auf, wie eine der beiden irgendwas von "Slickschule" erzählte.
"FICKSCHULE?...Fickt ihr auch soviel in der Schule?"
"....Ähhhh....."
"Ey, wie gehen denn bei euch die Lehrer so ab?"
"..........." - die beiden lächeln sich doof an, aber ihnen fällt nichts ein.
" Eyeee, wir ficken auch viel in der Schule - dafür haben wir so Pausen: Fünfminutenpause, Zwanzigminutenpause und große Pause.... ja, da brennt die Klitoris!!!" - einige weitere Blödeleien von Stefan, die man besser nicht aufschreibt, folgten.
Langsam ging uns das Bier aus und als Stefan, Hense und Ködl zum Auto gegangen waren, um neues zu holen und um zu pinkeln, mußten die beiden Tusen wohl die Gelegenheit genutzt haben, um sich heimlich zu verkrümeln - als wir wiederkamen saßen Arndt und André jedenfalls alleine am Ufer. So leicht ließ sich Stefan jedoch nicht abschütteln: Schnell steckte er sich eine leere Flasche in die Hose (wer den Opa bei "Road Trip" gesehen hat kann sich ungefähr vorstellen wie das aussah) und rannte mit obszönen Gesten hinter den Mädchen her - ja, da lacht ihr (und wir und die ganzen anderen Leute, die da waren, auch), aber lustig ist das nicht!
Auch alle weiteren Bemühungen, wieder ein halbwegs normales Gespräch zu beginnen, schlugen kläglich fehl, und so saßen wir dort, erzählten ein wenig und tranken noch etwas.
Arndt bekam dann irgendwann Kopfschmerzen und legte sich ins Auto. Zwar wurden schon Stimmen laut, man könne ja langsam mal zurückfahren, aber Stefan hatte immer noch nicht genug (dazu gleich).
Als wir gerade wieder auf dem Weg zu einem unbelebteren Stück des Ufers waren, um uns zu erleichtern, kamen wir an so einer kleinen Anlegestelle für Boote vorbei: Da gab es Motorboote, aber auch kleine Segelboote und Ruderboote, die allesamt an Bojen vertäut in einem kleinen Hafenbecken lagen. Es war zwar auf den ersten Augenblick niemand zu sehen, aber Scheinwerfer waren auf die Stelle gerichtet, so daß es riskant sein würde, eins zu klauen. Nach längerer Diskussion, die - wie die kleinen Boote im See - immer wieder hin- und herschwappte, gewann trotz Alkoholeinflusses die Vernunft gerade noch die Überhand (es wurde zwischendurch schon mehrmals Anlauf zum Sprung auf das nächstgelegene Ruderboot genommen) - dieses mal noch.
Als wir weitergingen und uns schon über unsere Anstellerei zu ärgern begannen bot sich jedoch eine zweite Gelegenheit: Ein kleines Tretboot, welches nur halbherzig an einer Boje festgemacht war, schwamm einsam einige Meter vom Ufer entfernt im Wasser. Das einzige Problem: Am Ufer direkt vor dem Boot saß eine Gruppe junger Leute - mit Heimlichkeit war hier also nichts zu erreichen. Während André sich schon mal zum Wagen schlich (ähh...ein Fluchtwagen muß immer bereit stehen!) sprach Stefan im Suff zu den Leuten wie einst Jesus auf dem Berg Sinai: "Ey......, ehhh........könntet ihr da vielleicht mal kurz weggehen?" Die lächelten uns nur blöd an, wahrscheinlich hatten die Stefan überhaupt nicht verstanden. Als auch die erneute Frage "Hey - ihr habt nichts gesehen, ja?" nur dieses komische Lächeln hervorrief nahm Stefan drei Schritte Anlauf, wetzte auf das Ufer zu und sprang..............................mit einem Riesensatz und unter lautem Gepolter auf das Tretboot (wie ein solcher Sprung von Stefan aussieht könnt ihr im Gluringen II Artikel sehen). Die Leute guckten zwar etwas komisch, lächelten aber immer noch, einer oder zwei klatschten sogar Beifall - es schien sie jedenfalls nicht weiter zu stören. Nachdem Stefan dann die Vertäuung von der Boje losgemacht und das Boot vorsichtig zum Ufer manövriert hatte konnten auch Ködl und Hense bequem an Bord gehen. Als wir gerade abgelegt hatten kam es noch kurzzeitig zu Aufregung als eine Polizeisirene lauter und lauter wurde - sollte die Schweizer Kantonspolizei uns doch den ganzen Tag über verfolgt, beschattet und ausgespäht haben? Wir suchten schon in Henses Haaren nach einem Sender, denn unter seiner Kappe, die er niemals abnimmt, wäre der perfekte Ort dafür gewesen! Oder waren das etwa die zwei Polizisten, die schon den ganzen Abend über an der Uferpromenade patrouilliert hatten (und dabei den Mädels mehrmals, uns aber keinmal die Alkoholika abgenommen hatten)? Als die Spannung gerade ins Unermeßliche steigen wollte wurde die Sirene auch schon wieder leiser und natürlich geschah nichts weiter. Was dann folgte waren die wohl lustigsten, gemütlichsten und angenehmsten 60 Minuten des gesamten Urlaubs. Obwohl es schon ungefähr 24 Uhr war, war es noch immer schön warm, über uns ein sternklarer Himmel, der sich im See widerspiegelte und um den See herum die hochaufragenden Berge, auf denen mal hier mal dort ein Licht zu sehen war. An den entfernteren Ufern konnte man die bunten Lichter der Leuchtreklamen sehen und noch weiter entfernt schunkelte ein seltsames Gefährt seine Bahnen durch den See - ein Partyboot, das aussah wie ein schwimmender Weihnachtsbaum.

Um uns herum war angenehme Stille - nur das gleichmäßige Plätschern der Pedalen im Wasser war zu hören.
Dank Hense, der schon lange nicht mehr Fahrrad gefahren war und außerdem wegen des Biers und überhaupt einen riesen Energieüberschuß hatte, konnten wir uns mit einer Geschwindigkeit von über 30 Knoten fortbewegen und so schnell jede Stelle auf dem See erreichen - immer geführt durch die sichere Hand von Steuermann Ködl, der sämtliche Hindernisse elegant umschiffte. Eine auf dem Tretboot angebrachte Rutsche, die direkt ins Wasser führte, erlaubte es uns sogar, im See zu schwimmen, und nach der Schwitzerei in Mailand, dem heißen Essen und dem ganzen Bier hatten wir eine Abkühlung auch bitter nötig. Danach war es an der Zeit, einige größere Boote, die im See festgemacht hatten, auszuspähen. Leider waren alle gerade unbemannt, so, daß wir hierüber nichts Spannendes berichten können, obwohl uns das große Freude bereitet hätte, aber wir wollen ja bei der Wahrheit bleiben.
Nachdem wir uns richtig ausgetobt hatten und noch auf so einigen anderen Schiffen rumgeklettert waren machte sich langsam die Müdigkeit in unseren alten Knochen breit.
Wir lagen schon einige Zeit gemütlich auf dem Tretboot, welches jetzt lautlos dahintrieb, betrachteten die Sterne und hingen unseren Gedanken nach als wir am Ufer wildes Geblinke von Scheinwerfern vernahmen.....